Aus Solidarität und Vernunft Weihnachtsbeleuchtung reduzieren

Jule Beck, Creative Director bei First Christmas. © First Christmas

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Jule Beck ist Leiterin der Design-Abteilung von First Christmas in Hamburg, einem der Marktführer in Europa, und schon 18 Jahre in der Firma. In dieser Zeit hat sie mit ihrem Team mehr als 1500 Weihnachtsdekorationen für Einkaufscenter, Flughäfen und Einkaufsstraßen in ganz Europa und der arabischen Welt entwickelt, Rekorde aufgestellt und Preise gewonnen. Ihr ganzes Berufsleben dreht sich um Weihnachtsdekorationen, aber sie liebt Weihnachten auch ganz privat. „Bei mir zuhause sieht es Weihnachten aus wie in einem Einkaufszentrum“, scherzt sie. 

In diesem Jahr allerdings kommt die Expertin, die von einer Nachrichten-Agentur schon mal als „Königin der Weihnacht“ bezeichnet wurde, ins Grübeln: „Wir sind in der verrücktesten Situation unserer Firmengeschichte. Jeden Tag erfinden wir wunderschöne Weihnachtsdekorationen, damit unsere Kunden Weihnachten ‚ganz vorn‘ sind. Jeder im Handel weiß: Die Menschen sehnen sich nach Weihnachten, eigentlich das ganze Jahr. Das ist in uns Menschen drin, ganz tief, das kommt aus unserer Kindheit. Weihnachtsstimmung macht uns glücklich. Und das war schon immer die ganz große Chance für den Handel - wer die schönste Weihnachtsdekoration hat, zu dem kommen die Kunden, bleiben länger,  kaufen mehr, kommen wieder und erzählen Anderen davon. Die Qualität einer Weihnachtsdekoration kann darüber entscheiden, wie erfolgreich ein Standort zu Weihnachten ist. Und gerade in dieser extrem schweren Zeit braucht der Handel zu Weihnachten tolle Umsätze, und wie jedes Jahr tun wir alles dafür, damit das auch eintritt. Einzelhandel und Weihnachten - das ist unsere DNA.“

Zu viel Beleuchtung könnte Ärger auslösen

Jule Beck sagt weiter: „Aber wir bekommen natürlich auch schon seit Monaten Anfragen von Kunden, die sich Sorgen machen. Die verunsichert sind und sich fragen, ob man angesichts der aktuellen Energieprobleme die Weihnachtsdekoration wirklich aufbauen kann beziehungsweise darf. Natürlich wollen alle unbedingt, aber was passiert, wenn die Menschen zuhause ihre Heizung abdrehen und das Licht ausmachen und - wie der frühere Finanzminister Schäuble gerade gesagt hat  - zwei Pullover übereinander ziehen, und dann am festlich und strahlend illuminierten Einkaufscenter vorbeikommen, wo alles ist wie immer? Mitbewerber von uns sind der Meinung, dass die Kunden verstehen werden, dass Weihnachtsbeleuchtung aus modernsten LEDs besteht und deshalb kaum noch Strom verbraucht. Wir bei First Christmas wären glücklich, wenn das so wäre, wenn wir uns darauf verlassen könnten. Wir fürchten allerdings, dass die Menschen in einem solchen Moment nicht an die geringen Wattzahlen moderner LED-Technik denken werden, sondern einfach sehen, was sie sehen: zigtausende kleiner Lichter, strahlend hell. Und zuhause haben sie vielleicht nur noch eine einzige Lampe an. Wir haben sehr große Befürchtungen, dass ein sehr hell illuminiertes Center, eine sehr üppige Weihnachtsdekoration und Beleuchtung, in diesem Jahr genau die gegenteiligen Gefühle auslösen könnte wie sonst, nämlich Ärger, und, ja, vielleicht auch Empörung. Und das kann der Handel in diesem Jahr ganz bestimmt nicht gebrauchen.“

Illumination fokussieren

Ihr Tipp: „Wir raten deshalb in diesem Jahr zu einem Weg der Vernunft. Außen an den Fassaden würden wir in diesem Jahr nicht sehr viel anbringen, wir würden uns auf die Eingänge konzentrieren, auf alles, was in die Center führt und damit verspricht, hier wartet ein schönes Weihnachtsmärchen. Drinnen raten wir, die Dekoration zu reduzieren. Nicht nur aus Angst vor einem Shitstorm, damit zeigt der Handel auch seine Solidarität mit unserer Gesellschaft und gerade eben auch mit seinen Kunden, die zu Hause sparen. Mit dem eingesparten Geld sind vielleicht einige schöne weihnachtliche Aktionen möglich, die ohne hellen Glanz auskommen, aber trotzdem Emotionen bringen“, so das Plädoyer und der Rat von First Christmas. Hier konnte die Frage nicht ausbleiben: „Aber Sie leben doch immer noch vom Verkauf von Weihnachtsdekorationen und Beleuchtungen?“ Auf die Jule Beck schlicht sagt: „Der Handel ist unser Partner. Und einem Partner rät man zu dem, was man für richtig hält, nicht zu dem, was ihm schaden könnte, möge es einem selbst auch kurzfristig die Taschen füllen.“

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