Bienenfleiß statt Buzzwords

Bienen
Viele fleißige kleine Produzenten. © Lahiru – stock.adobe.com

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Susanne Müller

Wal Timmy vs. Bienen. Der Meereskoloss hat hierzulande über viele Wochen hohe Wogen geschlagen. Helfer waren zahlreich, der Medieneffekt durchschlagend, finanzielle Mittel flossen reichlich. Deutschland befand sich in kollektiver Aufregung. Wegen eines einzelnen Tieres – wenn auch, zugegeben, eines echt großen.

Derweil summen tagtäglich ganz unscheinbar Millionen von Bienen durch Wiesen, Gärten und Obstplantagen. Sie sind längst nicht so gehypt wie der gestrandete Buckelwal – aber für unsere Lebensgrundlagen ungleich wichtiger. Gerade deshalb haben wir das emsige Insekt als unser Titelmotiv gekürt.

Der Wal, so könnte man sagen, steht sinnbildlich für die großen Dramen unserer Zeit. Die Biene hingegen leistet bescheiden und alltäglich ihren Beitrag zur Bestäubung von Obst-, Gemüse- und Nusskulturen sowie zur Honigproduktion. Von dieser Leistung profitieren Landwirtschaft, Lebensmittelwirtschaft und letztlich auch der Handel.

Fleißige bedroht

Gleichzeitig steht die Biene symbolisch für die vielen Händler, Logistiker, mutigen Start-ups und all jene, die im Kleinen den Wirtschaftskreislauf tragen. Fleißig, unverzichtbar – und nach neuen Studien dennoch eine bedrohte Art. Laut HDE werden im laufenden Jahr 4900 Geschäfte in Deutschland verloren gehen. Die Zahl der Stores sinkt gemäß der HDE-Prognose bis zum Jahresende damit voraussichtlich auf 296600.

Tägliche Wertschöpfung

Der monumentale Wal, ja. Er könnte für spektakuläre Insolvenzen stehen – alle schauen hin und nehmen Anteil. Zig kleine Unternehmen verschwinden derweil nahezu lautlos vom Markt. Deshalb sind die Bienchen umso wichtiger fürs wirtschaftliche Gefüge. Denn Volkswirtschaften werden nicht von Schlagzeilen getragen, sondern vom Alltag. Nicht von den größten Namen, sondern von den vielen kleinen Akteuren, die morgens aufschließen, Regale bestücken, Pakete verladen, Rechnungen schreiben und Kunden beraten. Sie erzeugen selten Aufmerksamkeit, aber täglich Wertschöpfung.

Blick auf stille Akteure

Wenn ein Wal strandet, versammelt sich die Republik am Ufer. Wenn tausende Bienen verschwinden, bemerkt das zunächst kaum jemand. Die Folgen wären dennoch gravierender. Ohne die Vielzahl kleiner und mittelständischer Betriebe würde das System selbst ins Stocken geraten. Vielleicht sollten wir deshalb unseren Blick häufiger auf die stille Leistung richten. Weniger auf die Wale der Wirtschaft, mehr auf ihre Bienen. Denn Volkswirtschaften leben nicht von ihren Ausnahmen, sondern von ihrer Breite. Und während die Wale die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, halten die Bienen den Laden am Brummen.

Susanne Müller