Der Umgang mit der Fläche

Interview
Tacheles
Susanne Müller
Drei Fragen an
Karl Schwitzke
Schwitzke GmbH
Architekten, Designer und Generalunternehmer
Zu viel Fläche geschaffen
Welches sind politisch, wirtschaftlich und/oder unternehmerisch zurzeit Ihre größten Ängste und Sorgen?
Unsere größten gesellschaftlichen Herausforderungen sind unser CO2-Ausstoß und unser Ressourcenverbrauch und die damit verbundene Umstellung unserer Lebensweise. Das ist ja in vollem Gange mit den entsprechenden politischen Herausforderungen. Für uns als kreative Unternehmer bringt dieser Transformationsprozess vor allem neue Chancen und neue Betätigungsfelder. Um unser unternehmerisches Risiko zu minimieren, müssen wir unsere Geschäftspartner zurzeit sehr sorgfältig auswählen, um nicht durch Insolvenzen in Mitleidenschaft gezogen zu werden.
Welchen unbequemen Wahrheiten muss sich Deutschland stellen – und welchen speziell die Retail-Branche?
Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir als relativ kleines Land den drittgrößten Ressourcen-Verbrauch der Erde haben, und da sind die Produkte, die China für uns produziert, noch nicht eingerechnet. Wir müssen auch sehen, dass wir in den letzten 16 Jahren sehr bequem waren. Unsere Handelsunternehmen sind in den letzten 20 Jahren vor allem durch zusätzliche Flächen gewachsen. Genau genommen wurde Umsatz gekauft. Das hat auf der Immobilienseite zu ungesundem Wachstum geführt. Wir haben viel zu viel Fläche geschaffen. Durch das veränderte Konsumverhalten ist es nun notwendig, diese Fehlentwicklung zu korrigieren. Da stecken wir gerade mittendrin, und der Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen.
An welchen Hebeln würden Sie ansetzen, um Optimismus zu verbreiten und etwas zur positiven Entwicklung beizutragen?
Zu Pessimismus besteht kein Anlass. Wir leben in der reichsten und sichersten Region dieser Erde. Wir haben enorme Möglichkeiten, unsere Gesellschaft zu gestalten. Die Anzahl der Firmengründungen der unter 25-Jährigen ist hoch wie nie. Helsing, vor drei Jahren gegründet, ist jetzt schon 450 Millionen wert. Bei allen Defiziten sollten wir unsere Leistungen nicht klein reden. Da sehe ich nur die Politik in der Pflicht.
Susanne Müller