Deutsche Startups geraten in Bedrängnis

Startup-Gründer lassen sich trotz Krisenmodus nicht so schnell unterkriegen. © Pixabay / Gerd Altmann

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Die aktuell angespannte gesamtwirtschaftliche Lage schlägt sich auch im Startup-Ökosystem auf die Stimmung nieder. Das im Deutschen Startup-Monitor ermittelte Startup-Geschäftsklima geht analog zum ifo-Geschäftsklima weiter zurück und liegt auf dem zweittiefsten Stand nach dem Pandemie-Schock im Jahr 2020.

Gerade das veränderte Zinsumfeld sowie die Inflation stellen viele Startups vor besondere Herausforderungen. Die Geschäftserwartung, also der Blick in die Zukunft, ist zwar leicht angestiegen, das Stimmungsbild ist unterm Strich vor allem von großer Unsicherheit geprägt: 65 Prozent aller Startups fällt es derzeit schwer, eine Einschätzung zur zukünftigen Geschäftsentwicklung zu treffen.

Investments gehen zurück

Wichtige Quelle dieser Unsicherheit ist der Finanzierungssektor. Die Investments in deutsche Startups sind zuletzt deutlich zurückgegangen, auch wenn sie immer noch über dem Vor-Corona-Niveau im Jahr 2020 liegen. Der aktuelle Negativtrend lässt sich vor allem durch das Ausbleiben größerer Finanzierungsrunden erklären. So gab es im Jahr 2023 noch keine Finanzierungsrunde über 250 Millionen Euro – im Rekordjahr 2021 insgesamt acht, 2022 immerhin vier. Entsprechend bewerten die Gründer auch die Investmentbereitschaft – fast die Hälfte hält sie für schlecht, und nur 15 Prozent benennen die aktuelle Investmentbereitschaft von Business Angels und VC-Fonds als gut.

Profitabilität wichtiger als Wachstum

Angesichts der großen Unsicherheit und der angespannten wirtschaftlichen Lage passen Startups ihre Strategien an – aktuell ist Profitabilität wichtiger als Wachstum. Zudem planen Startups vorsichtiger: Jedes dritte Startup reduzierte die Neueinstellungen und hat Finanzierungspläne angepasst. Allen Widrigkeiten zum Trotz stottert der Jobmotor Startups insgesamt noch nicht, und viele Unternehmen stellen weiter ein. Lediglich 15 Prozent aller befragten Startup haben im vorigen Jahr Stellen abgebaut – demgegenüber stehen 56 Prozent mit einer gestiegenen Anzahl an Mitarbeitenden. Eine wichtige Ausnahme ist dabei der Startup-Hotspot Berlin, in dem ein Viertel aller Startups geschrumpft sind.

Mehr Fokus auf Zukunftsthemen

Christian Miele,Vorstandsvorsitzender Startup-Verband: „Die gesamtwirtschaftliche Lage geht auch an deutschen Startups nicht spurlos vorüber. Angesichts eines sinkenden Geschäftsklimas und wachsender Unsicherheit brauchen wir in Deutschland mehr Fokus auf Zukunftsthemen, um die Innovationsflaute abzuwenden. Startups sind die Unternehmen der Zukunft und können die konjunkturelle Wende anschieben. Die Bundesregierung muss Startup-Themen mit mehr Priorität vorantreiben. Das gilt zum Beispiel für das Zukunftsfinanzierungsgesetz, auf das deutsche Startups schon lange warten – es sollte nun zügig verabschiedet werden.“

Florian Nöll,Partner bei PwC Deutschland: „Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich Startup-Unternehmer im Angesicht der Krise behaupten. Sie wissen: Untätigkeit und die Angst vor harten Entscheidungen sind der sichere Weg in den Misserfolg. Auf eine veränderte Situation reagieren Gründerinnen und Gründer schnell und entschlossen. Wir brauchen in Deutschland insgesamt diese Startup-Mentalität innovativer Gründer, die Probleme optimistisch und umsetzungsstark angehen. ”