Dreiklang fürs Leben

Handel und Immobilien
Values
Susanne Müller
KALLE Neukölln, eine Entwicklung von MREI, hat sich in kurzer Zeit zu einem der meistdiskutierten Projekte der neuen urbanen Mixed-Use-Entwicklung in Berlin etabliert. Wo klassische Einkaufszentren zunehmend unter Druck geraten, setzt das Areal in Neukölln auf ein bewusst anders gedachtes Konzept: ein offener, kuratierter Stadtraum, der Gastronomie, Bildung, Arbeiten, Einzelhandel und Kultur unter einem Dach miteinander verbindet.
Im Gespräch betont Hans Stier, Projektverantwortlicher für KALLE Neukölln, dass das Grundprinzip des Hauses weit über die reine Vermietung von Flächen hinausgeht. „Das Konzept fußt auf der Überzeugung, dass gemischt genutzte Immobilien in urbanen Lagen dann funktionieren, wenn sie nicht nur Flächen vermieten, sondern aktiv eine Community aufbauen.“ KALLE sei von Beginn an als lebendiger Ort gedacht worden – mit Gastronomie, Einzelhandel, Co-Working, Bildungsangeboten und Kulturformaten, ergänzt durch eine aktiv bespielte Rooftop-Ebene.
Gastro trifft Working
Diese programmatische Dichte zeigt sich auch in der räumlichen Struktur des Gebäudes. Im Erdgeschoss konzentrieren sich Gastronomie und Food-Hall-Konzepte, während die oberen Etagen für Co-Working-Angebote und Bildungsinitiativen genutzt werden. Ergänzt wird das Ensemble durch ausgewählte Einzelhandels- und Kreativflächen sowie eine Dachlandschaft, die regelmäßig für Gastronomie- und Eventformate aktiviert wird.
Wachsender Organismus
Die Umsetzung eines solchen Nutzungsmixes bringt jedoch erhebliche Komplexität mit sich. „Die Integration sehr unterschiedlicher Nutzungen unter einem Dach ist sowohl baulich als auch im Betrieb anspruchsvoll“, erklärt Stier. Gleichzeitig betont er den Entwicklungscharakter des Projekts: Einige Flächen befänden sich weiterhin in der Fertigstellung. Dies sei jedoch kein Defizit, sondern Teil eines bewussten Ansatzes. KALLE versteht sich als wachsender Organismus, der sich kontinuierlich weiterentwickelt.
Gezielte Strategie
Prägnant ist die strategische Auswahl der Mieter und Partner im Gebäude. Die Synergien zwischen Unternehmen und Institutionen wie SoundCloud, der CODE University of Applied Sciences, Rough Trade Berlin sowie den gastronomischen Konzepten entstehen laut Stier nicht zufällig, sondern sind Ergebnis einer gezielten kuratorischen Strategie. Ziel sei, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich unterschiedliche urbane Akteure gegenseitig inspirieren und verstärken.
Grenzen auflösen
Der Mehrwert für die Stadtgesellschaft liegt genau in dieser Vielfalt. „KALLE ist kein geschlossenes Konzept für eine Zielgruppe, sondern ein offener Ort, der Menschen aus dem Kiez ebenso anzieht wie Kreative, Unternehmen und Besucher aus der gesamten Stadt“, beschreibt Hans Stier. Dadurch entstehe ein Ort, der klassische Grenzen zwischen Arbeiten, Konsum und Kultur bewusst auflöst.
Offener Ort
Die bisherigen Reaktionen aus Fachwelt und Öffentlichkeit fallen überwiegend positiv aus. „Der Mehrwert für die Stadtgesellschaft liegt für uns in der Mischung: KALLE ist kein geschlossenes Konzept für eine Zielgruppe, sondern ein offener Ort, der Menschen aus dem Kiez genauso anzieht wie Kreative, Unternehmen und Besucher aus der ganzen Stadt. Die Synergieeffekte zwischen den Mietern etwa zwischen SoundCloud, CODE University, Rough Trade und unserer Gastronomie entstehen nicht zufällig, sondern sind Ergebnis einer bewussten Kuratierung“, sagt Hans Stier.
Dynamiken verknüpft
Mit seinem Ansatz positioniert sich KALLE Neukölln damit als ein Beispiel für die Transformation innerstädtischer Immobilienentwicklung: weg von der funktionalen Trennung, hin zu kuratierten, lebendigen Stadtbausteinen, die soziale, wirtschaftliche und kulturelle Dynamiken bewusst miteinander verknüpfen.
Ein Beitrag von
Susanne Müller