Ehre für Gastro-Botschafterin

Interview
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Susanne Müller
Mit Leidenschaft und Herzblut widmet sich Kerstin Rapp-Schwan, unter anderem Co-Chefin der beiden Schwan-Restaurants in Düsseldorf sowie dem Ableger in Neuss, ihrem Metier und ist längst als Branchen-Botschafterin bekannt. Insgesamt ist sie Mitinhaberin von fünf Gastro-Locations im Rhein-Gebiet. Gepflegter Genuss ist ihr Ding. Für das Engagement der Powerfrau zugunsten der Branche gab’s jetzt eine Auszeichnung.
Sie sind kürzlich als „Düsseldorferin des Jahres 2024“ für Ihr Engagement zugunsten der lokalen Gastronomie- und Food-Szene ausgezeichnet worden. Was verbinden Sie mit der Ehrung, und wofür steht der Preis?
Vor allem habe ich mich gefreut, dass die Rheinische Post sich getraut hat, den Award erstmals an eine Person aus der Gastronomie zu vergeben. Bisher standen stets Wirtschaftsmagnaten im Vordergrund. Dass der Award jetzt außerhalb dieser Bubble verliehen wurde, setzt einen Markstein für die Relevanz unserer Branche. Insofern stehe ich als Preisträgerin stellvertretend für die gesamte Gastro-Szene. Die Auszeichnung ist tatsächlich viral gegangen, und ich hoffe auf eine Signalwirkung für die Gastronomie. Zudem profitiert der Standort Düsseldorf davon. Die Jury hat sich entschieden, das Engagement für die Gastro-Branche als einer der größten Arbeitgeber Deutschland als Element der Lebensqualität zu honorieren.
Ab 2026 soll unter der neuen Bundesregierung die Mehrwertsteuer für Gastronomie dauerhaft auf sieben Prozent sinken. Hilft das der Branche – und was ist noch erforderlich, um Gastronomen wieder auf die Füße zu stellen?
Wir sind mit rund 220.000 Betrieben ein wichtiger Arbeitgeber und Motor der Wirtschaft. Dieser Aspekt wird von Politik und Öffentlichkeit oft nicht wahrgenommen. Anfang dieses Jahres arbeiteten rund 1,1 Millionen Menschen im Gastgewerbe. Damit sind wir ebenso relevant fürs Wirtschaftswachstum wie zum Beispiel der VW-Konzern – und somit der soziale Schmierstoff der Gesellschaft. Die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer ist für die Branche absolut überlebensnotwendig. Essen am Tisch muss unbedingt gleich behandelt werden wie beispielsweise der Außer-Haus-Service oder Supermärkte. Wir arbeiten zwar in der schönsten Branche der Welt, haben aktuell jedoch massiv unter Problemen wie dem Fachkräftemangel und den steigenden Kosten zu leiden. Die Einnahmen vieler Gastronomen sind seit mindestens drei Jahren rückläufig. Die Politik ist gefragt, uns zu entlasten, vor allem in dem Bürokratie-Wahnsinn, und uns gleich und fair zu behandeln. An dieser Stelle muss die Regierung einen Hebel ansetzen und uns entlasten, indem sie Regularien und Gesetze anpasst, Flexibilität der Arbeitszeiten sicher stellt und Bürokratie abbaut. Zugleich müssen die Einnahmen steigen. Dies kann die Politik jedoch nicht leisten, denn dort sind die Unternehmer selbst gefragt.
Welche zukunftsfähigen Konzepte und zündende Ideen empfehlen Sie Gastronomen, um Innenstädte wieder lebenswert zu gestalten?
Allen Kollegen rate ich, sich zu fokussieren und mit einem klaren, durchdachten Konzept zu glänzen. Niveau und exzellenter Service sind das A und O. Betriebswirtschaftlich gilt es, die Zahlen zu verstehen, sie im Blick zu behalten und genau zu kalkulieren. Dennoch: Die Aufgabe, Unternehmer in der Gastronomie sein, lohnt sich und bringt viel Freude, denn wir gestalten Innenstädte, Nachbarschaften und Dörfer mit und haben die Freude, täglich verschiedensten Menschen zu begegnen und sie zu verwöhnen.
Susanne Müller