Festivals als Handelstreiber

Drogeriemarkt Müller auf dem W:O:A
Drogeriemarkt Müller auf dem W:O:A, Wacken Open Air Festival. © Ingmar Behrens

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Susanne Müller

Feiern, chillen, das Leben genießen: Mit ihrer Bohème-Atmosphäre sind Festivals erklärte Highlights jeden Jahres und ziehen Millionen Partywütige an. Hinter den Kulissen der sorglosen Events ist natürlich eine eng getaktete Logistik erforderlich. Und immer öfter springt der Einzelhandel auf den Zug auf. Deutschland ist Festival-Land: Rund 1800 Musikfeste von Klassik bis Elektro prägen die Kulturlandschaft und schaffen jährlich über 50.000 Konzerte. Eine neue bundesweite Studie zeigt, wie groß ihre kulturelle wie ökonomische Bedeutung ist.

Das Restaurant, der lokale Bäcker, die Metzgerei mit Grillgut oder auch der Getränkemarkt – sie alle verzeichnen oft sprunghafte Umsätze selbst an kleineren an Festival-Wochenenden in der Umgebung. Bei großen Events steigern sich die Zahlen in Millionenhöhe. Ob Hurricane in Scheeßel, Southside in Neuhaus ob Eck, Deichbrand bei Cuxhaven, Lollapalooza in Berlin oder Nature One bei Kastellaun – die Wirtschaft profitiert stets mit. Ganz zu schweigen vom Wacken Open-Air und Rock am Ring, die jährlich jeweils annähernd 100.000 Besucher anziehen.

Win-Win-Situation

Zu solchen Hoch-Zeiten entstehen temporäre Jobs, die Store-Umsätze der umliegenden Orte brummen, und das Gastgewerbe freut sich. Clevere Händler installieren Pop-up-Angebote, Festival-Promos und abgestimmte Sortimente, zum Beispiel Souvenirs. Oder reagieren mit verlängerten Öffnungszeiten. Kein Wunder, dass auch der überregionale Einzelhandel längst auf den Zug aufgesprungen ist. Ob ALDI, dm, Lidl oder die REWE Group, das Sponsoring von Festivals haben sie längst als lukrative Werbeplattform ausgemacht und bereichern zudem die Events. Eine Win-Win-Situation.

Angespannte Lage

Ökonomisch erwirtschaften Festivals laut der aktuellen Studie, einem Projekt der Initiative Musik, der Bundesstiftung LiveKultur und des Deutschen Musikinformationszentrums, in Summe jährlich mehr als eine halbe Milliarde Euro, doch die Lage vieler Veranstalter bleibt angespannt. Nur 15 Prozent schreiben schwarze Zahlen, während knapp ein Drittel Verluste verzeichnet. Klassikfestivals profitieren stärker von öffentlicher Förderung, während Pop-Musik-Events höhere Risiken tragen müssen – etwa durch Infrastrukturkosten bei Outdoor-Bühnen.

Ökologische Maßnahmen

Während 82 Prozent der Klassikfestivals optimistisch in die Zukunft blicken, sorgen sich gerade viele Pop- und Jazzveranstalter um ihre Fortführung. Nachhaltigkeit gewinnt branchenübergreifend an Gewicht: 85 Prozent setzen ökologische Maßnahmen um, mehr als die Hälfte achtet auf Geschlechtergerechtigkeit im Line-up. Rückgrat der Szene ist übrigens das Ehrenamt: In nahezu jedem Festival engagieren sich Freiwillige, welche die Planung und Durchführung überhaupt erst möglich machen. Besonders in ländlichen Regionen wären viele Festivals ohne diese Unterstützung nicht überlebensfähig.

Wirtschaftlicher Impact

Kurzum: Festivals können für den Einzelhandel substanzielle kurzfristige Umsatzsteigerungen, mehr Sichtbarkeit und neue Kundengruppen bringen. Auf Städtebene erzeugen größere Events oft hunderte Millionen Euro wirtschaftlichen Impact. Gleichzeitig sind Effekte sehr heterogen — sie hängen stark von Festivaltyp, Besucherstruktur, Länge und Kooperationen mit lokalen Händlern ab.  Eine Studie des Arbeitskreises Kultursponsoring (AKS) hat die Wirkung von Sponsoringaktivitäten im Kulturbereich untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass Sponsoring positive Effekte auf die Wahrnehmung der Unternehmen hatte, insbesondere in Bezug auf Image und Reputation. Allerdings wurden auch Unterschiede in der Effektivität je nach Art des Events und der Zielgruppe festgestellt.

Susanne Müller