Flatrate für Lebensmittel

Flatrate für Lebensmittel
Flatrate für Lebensmittel? Diskussionswürdig. © JackF – stock.adobe.com

Handel und Immobilien
Focus

Susanne Müller

Donnerstagvormittag, Wochenendbevorratung. Der Einkaufswagen quietscht lahm übers Linoleum, und irgendwo piept‘s an der Käsetheke. Über der Leberwurst hängt ein Posting, auf dem jemand mit Kugelschreiber „Deutschlandkorb?“ gekritzelt hat. Was wie Satire wirkt, ist Ausdruck einer Debatte, die derzeit durch politische Talkshows geistert. Angezettelt hat sie die SPD.

Ein Warenkorb mit günstigen, preisstabilen Grundnahrungsmitteln aus deutscher Produktion, den Supermarktketten freiwillig anbieten sollen, um die Menschen beim Einkaufen zu entlasten – so die Idee der Sozialdemokraten. Deutschland ächzt allüberall unter Teuerungsraten, da muss die Politik dem Volk etwas Gutes tun. Beim Deutschland-Ticket hat’s schließlich auch geklappt, für 49 Ocken quer durch die Republik – bis dann eben doch Erhöhungen kamen.

Flatrate im Supermarkt

Nun soll der preisstabile Warenkorb mit Butter, Milch, Nudeln und Kartoffeln den geplagten Verbrauchern ein Stück Sicherheit bringen – bevorzugt Lebensmittel aus deutscher und saisonaler Produktion. Ein paar exotische Dinge wie Bananen, Kaffee und Kakao dürfen auch dabei sein. Flatrate im Supermarkt sozusagen, während Steuern, Krankenkassenbeiträge, Energiekosten explodieren und Haushalte unter der Preisschraube ächzen. Kurzer Applaus – doch im Hintergrund fragen Handel, Ökonomen und Verbraucherschützer bereits, wie das Modell funktionieren soll. Und dies auch noch langfristig.

Handel wenig überzeugt

Handelsketten reagieren eher mit gebremstem Schaum auf den Vorstoß von SPD-Fraktionsvize Esra Limbacher. Die REWE Group teilt mit, sie habe doch „bereits zahlreiche Maßnahmen umzusetzen, um günstige Produkte zugänglich zu machen“, verweist auf preisgünstigen Eigenmarken, Treueprogramme und Wochenaktionen. Bei Kaufland klingt’s fast philosophisch: Das Unternehmen verstehe die Herausforderungen steigender Lebenshaltungskosten, spreche sich aber eher für bewusste Ernährung als für staatlich inspirierte Verkaufsetiketten aus. Discounter NORMA betont, alle für den Deutschlandkorb angedachten 17 Alltagsprodukte seien eh inzwischen gut 16 Prozent günstiger als vor einem Jahr. Auch ALDI winkt ab: Preisvorteile werden sowieso – wo immer möglich – an den Kunden weitergegeben.

Eh schon preisbewusst

Philipp Hennerkes, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH), klingt schon fast stinkig: „Die Angebote im Lebensmittelhandel stellen tagtäglich das bestmögliche Preis-Leistungs-Verhältnis dar“, konstatiert er. „Die deutschen Händler kämpfen permanent mit Angeboten um die preissensiblen Kunden.“ Und er warnt, dass, wenn Politik „in Preisbildungsmechanismen eingreift“, dies eher zu unerwünschten Effekten führen könne, statt Verbraucher zu entlasten. Sinnvoller sei, die Rahmenbedingungen für den Handel, etwa bei Bürokratie und Energiekosten, zu verbessern.

Politisch korrekter Einkauf

Derweil donnerstags im Supermarkt murmelt leise ein Stammkunde: „Wenn der Deutschlandkorb das Brot auf ein politisch korrektes Preisniveau hebt, dann müssen bald auch die Kassenspuren reguliert werden.“ Oder auch: „Netter Versuch – das nennt sich Discounter.“ So steht der Deutschlandkorb nun im Raum. Und der SPD-Geistesblitz da wie die neueste Tiefkühlpizza: groß angekündigt, hübsch beschriftet – doch am Ende zahlt jeder selbst.


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Susanne Müller