Gastfreundschaft im Shopping Center

RRZ
Starke Marken wie Müller und Kaufland sorgen im RRZ zukünftig für einen zukunftsorientierten, hochfrequenten Mietermix. © Eurofund Group

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Olaf Ley

Gastfreundschaft ist längst zu einem strategischen Werttreiber im stationären Handel geworden. Sie beeinflusst Aufenthaltsdauer, Frequenzqualität, Verweildauer, Zufriedenheit, Retail Performance und das gesamte Leistungsprofil eines Standorts. In Zeiten steigender Besucheransprüche und wachsender Konkurrenz durch Online-Angebote braucht es klare Differenzierungsmerkmale. Menschen suchen Orte, die Orientierung geben, Sicherheit vermitteln, inspirieren und nicht nur funktional, sondern erlebnisorientiert funktionieren. Diese Entwicklung bildet die Grundlage für die Transformation des Rhein-Ruhr Zentrums (RRZ), das sich zu Deutschlands erstem Shopping-Resort weiterentwickelt.

Ein komplexes Bestandsobjekt umzubauen, während es geöffnet bleibt, stellt hohe Anforderungen an Betriebsführung, Kommunikation und Besucherorientierung. Wegeführungen ändern sich, Zugänge werden angepasst, Sichtbeziehungen verschieben sich. In dieser Phase zeigt sich, wie entscheidend effektive Hospitality für die Stabilität des Standorts ist. Im RRZ wurden klare Orientierungsachsen eingerichtet, zusätzliche Informationsflächen geschaffen und Übergangsbereiche gestaltet, die trotz Baustellenbetrieb Aufenthaltsqualität bieten. Für das Center-Management und die Serviceteams bedeutet dies eine präzisere Steuerung der Besucherströme und eine engere Verzahnung mit Sicherheit, Technik und Vermietung.

Transparente Kommunikation

Besucher, Mieter, Stadtgesellschaft und Stakeholder werden kontinuierlich über Bauphasen, Fortschritte, Zeitachsen und Veränderungen informiert – onsite, online und in direkten Dialogformaten. Diese Transparenz reduziert Unsicherheit, stärkt Vertrauen und stabilisiert die Akzeptanz im Umfeld. Im Fall des Rhein-Ruhr Zentrums wurden die Stadt Mülheim, lokale Vereine, Nachbarschaften und Mieter eingebunden. So wird das herausfordernde Umbauprojekt als regionales Gemeinschaftsvorhaben verstanden. Auch das lokale Engagement – etwa die Teilnahme am Karneval, an Stadtfesten oder Kulturveranstaltungen – hat sich zu einem wichtigen Integrationsbaustein entwickelt. Es fördert regionale Identität und erhöht die Bindung an den Standort.

Internationale Expertise

Wir bei Eurofund wollen mit dem RRZ den ersten Standort in Deutschland verwirklichen, an dem wir unsere Shopping-Resort-Philosophie vollständig umsetzen. Sie verbindet Retail, Freizeit und Community-Angebote zu einem konsistenten Betriebs- und Nutzungskonzept, das nicht nur Frequenz bringt, sondern die Frequenzqualität insgesamt verbessert. Eurofund verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Entwicklung und dem Betrieb leistungsfähiger Retaildestinationen. Mit neun Centern in Spanien, Portugal, Großbritannien, Italien und Deutschland bringen wir ein umfassendes Set an Best Practices in den Bereichen Erlebnisdesign, Hospitality Management, Besucherflussoptimierung und Mietermix-Strategie ein.

Das Shopping-Resort-Modell

Das Shopping Resort – zu dem wir gerade das RRZ umbauen – unterscheidet sich von klassischen Centern durch seine Fähigkeit, Besucher über den gesamten Tagesverlauf hinweg aktiv zu halten und neue Besuchsanlässe zu generieren. Die operative Logik basiert dabei auf mehreren Elementen: ein diversifizierter Nutzungsmix, der unterschiedliche Bedürfnisse abdeckt, erlebnisorientierte Anker, die Frequenzqualität erzeugen, flexible Tageszonen, die Nutzergruppen strukturieren, räumliche Aufenthaltsqualität, die Verweildauer steigert, starke Serviceorientierung, die Kundenerlebnis verbessert, sowie Community-Verankerung, die regionale Relevanz erhöht. Für Betreiber entstehen dadurch neue Anforderungen an Flächenmanagement, Hospitality-Strukturen, Mieterkommunikation, Ablaufplanung und Reaktionszeiten. Das RRZ richtet seine Betriebsmodelle konsequent darauf aus.

Adventica als Frequenzbringer

Adventica ist für das RRZ einer der wichtigsten Transformationsbausteine. Das Indoor-Familienkonzept steigert Aufenthaltsdauer und Wiederkehrrate merklich. Wir haben diesen Effekt unmittelbar nach der Eröffnung bemerkt: Aufgrund der überwältigenden Nachfrage musste der Betreiber in den ersten Tagen sogar vorübergehend den Zugang beschränken. Familien generieren hohe Zusatzfrequenz in Gastronomie und ergänzenden Sortimenten. Für das Operations-Team bedeutet Adventica eine intensivere Koordination im Facility-Management, eine dynamischere Steuerung der Besucherströme und zusätzliche Anforderungen an das Sicherheits- und Reinigungsmanagement. Gleichzeitig stärkt Adventica die Positionierung des RRZ als Ausflugsziel und Familienanker. Dies ist ein entscheidender Faktor bei der Differenzierung im regionalen Wettbewerb.

CinemaxX für die Abendökonomie

Das CinemaxX erweitert das Nutzungsspektrum bis in die späten Abendstunden hinein. Kinos erzeugen planbare Frequenzspitzen, strukturieren Besucherströme und sprechen unterschiedliche Zielgruppen an. Operativ schafft dieser Anker einen gleichmäßigeren Tagesverlauf, von dem insbesondere Gastronomie und serviceorientierte Konzepte profitieren. Die Kombination aus Adventica für die Tages- und CinemaxX für die Abendfrequenz erzeugt einen Rhythmus, der die Performance des gesamten Standorts stabilisiert. Zudem ist das CinemaxX ein relevanter Partner für gemeinsame Aktionen im RRZ. Kino-Blockbuster werden mit Marketingaktivitäten im Center unterstützt. So haben in den letzten Monaten bereits Paddington Bear oder die Schlümpfe Klein und Groß begeistert – flankiert von Gewinnspielaktionen, bei denen Freikarten für das Kino ausgelost wurden. 

Management als Gastgeber

Im RRZ fungieren Mitarbeiter als Gastgeber – ein Ansatz, der über klassische Center-Services hinausgeht. Ihre Aufgaben umfassen die proaktive Besucheransprache, Orientierung in dynamischen Wegesituationen, Entzerrung von Engpässen, Konfliktprävention, schnelle Problemlösung, Kommunikation mit Mietern und Partnern. Damit wird Hospitality zu einem fest verankerten Managementsystem, das die Ser­vicequalität misst, Besucherströme reguliert und die Centerwahrnehmung stärkt. Diese Form von Hospitality wirkt sich direkt auf KPIs wie Wiederkehrrate, Zufriedenheit und Aufenthaltsdauer aus.

Community-Arbeit als Verstärker

Monatliche Events wie Plaudercafé, Blutspendeaktionen, Gesundheitsangebote und saisonale Kinderprogramme schaffen wiederkehrende Touchpoints. Für die Betriebsführung erzeugen diese Formate planbare Frequenzimpulse, stärken die Besucherloyalität und verbessern das Standortimage. Durch die Einbettung in lokale Netzwerke entsteht ein sozial verankerter, relevanter Ort – ein wichtiger Bestandteil des Shopping-Resort-Gedankens.

Rolle des Einzelhandels

Parallel zur baulichen Neugestaltung verfolgt das RRZ eine Einzelhandelsstrategie, die einen entscheidenden Schritt in der Transformation des Zentrums darstellt. Modernisierte Flächen und neu geschaffene Räume sind auf großformatige Konzepte und erlebnisorientierte Einzelhändler zugeschnitten. Mit starken Marken wie Müller, Kaufland und weiteren großen Textil- und Fitnessanbietern stellt das RRZ die Weichen für einen zukunftsorientierten, hochfrequenten Mietermix. Diese Erweiterungen sind ein wesentlicher Bestandteil der strategischen Positionierung. Sie erhöhen die Alltagsrelevanz des Standorts, sichern stabile Grundfrequenzen, schaffen Synergien zu Freizeit- und Gastroangeboten und stärken die Verweildauer.

Investition in Flächen

Ein weiterer wichtiger Indikator für die positive Entwicklung des RRZ ist das Verhalten der bestehenden Mieter. Zahlreiche Bestandsmieter haben ihre Verträge verlängert oder investieren aktiv in die Modernisierung und Erweiterung ihrer Verkaufsflächen. Dieses Engagement ist ein starkes Signal an den Markt: Es zeigt, dass Händler das Potenzial des Standorts erkennen und der strategischen Neupositionierung vertrauen. Für Betreiber und Investoren sind solche Entscheidungen ein wesentliches Qualitätsmerkmal. Sie unterstreichen, dass die Transformation nicht nur neue Marken anzieht, sondern auch die bestehenden Handels- und Gastronomiekonzepte stärkt. Die Bereitschaft der Mieter, in ihre Flächen zu investieren, wirkt stabilisierend auf den gesamten Standort und bestätigt, dass die Shopping-Resort-Strategie bereits heute operative Relevanz entfaltet. Für Betreiber und Center Management bedeutet dies: neue Besuchsanlässe, ein breiteres Zielgruppenportfolio und ein robuster Nutzermix, der die Resilienz des Standorts langfristig erhöht.

Regionalität trifft Best Practice

Die direkte, verbindliche Kultur des Ruhrgebiets verbindet sich im RRZ mit internationaler Eurofund-Expertise. Dieses Zusammenspiel schafft einen Standort, der emotional anschlussfähig ist, aber zugleich professionelle Strukturen und operative Exzellenz bietet. Für Mieter, Dienstleister und Betreiber entsteht ein Zukunftsmodell, das wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und hohe Erlebnisqualität verbindet.

Hospitality als Werttreiber

Mit Adventica, CinemaxX, einer aktiven Community-Strategie, lokalem Engagement, transparenter Kommunikation und einer konsistenten Shopping-Resort-Struktur entsteht im RRZ ein neuer Destinationsstandard. Gastfreundschaft ist dabei kein „Soft Factor“, sondern ein operativer Werttreiber, der Frequenzqualität, Mieterstabilität, Umsatzpotenzial und Markenprofil nachhaltig stärkt.


Ein Gastbeitrag von
Olaf Ley
CEO Retail Deutschland
Eurofund Group