Geschäft erweitert

Interview
Mission
Susanne Müller
Mit der Übernahme der REM-Sparte von Unibail-Rodamco-Westfield hat Sonae Sierra sein Managementgeschäft in Deutschland massiv ausgebaut. Christine Hager, Director Property Management Germany, erklärt, warum Shopping Center trotz tiefgreifender Veränderungen robust bleiben – und weshalb gerade jetzt Größe, lokales Know-how und professionelles Management entscheidend sind.
Der Handelsimmobilienmarkt ist tiefgreifenden Veränderungen unterworfen, auch Einkaufszentren befinden sich in der Transformation. Warum hat Sonae Sierra vor einem Jahr ausgerechnet die Real Estate Management Sparte (REM) von Unibail-Rodamco-Westfield mit zwölf Shopping Centern übernommen?
Christine Hager: Für Sonae Sierra zählte das Jahr 2025 zu den besten Jahren in der Unternehmensgeschichte. Und das in Zeiten, in denen sich alles zu ändern scheint, sei es das Konsumentenverhalten, der gesamte Einzelhandel, aber auch gesellschaftliche, wirtschaftliche und geopolitische Entwicklungen haben Einfluss. Shopping Center sind ein zentraler Bestandteil unseres Geschäfts. Sie haben sich als robust erwiesen. Wir setzen auf erstklassige Einkaufszentren und wollen über das Service- und Managementgeschäft international, aber auch in Deutschland wachsen. Die REM-Übernahme ist Teil dieser übergeordneten Strategie. Sonae Sierra will sich als eine der führenden integrierten Immobilienplattformen in Europa positionieren.
Dynamische Zeiten
Wir haben 35 Jahre Erfahrung als Investor, Entwickler und Betreiber von Centern weltweit. Unsere Partner sind große institutionelle Investoren. Wer, wenn nicht wir, ist in der Lage, in dynamischen Zeiten Einkaufszentren oder auch ganze Portfolios für Dritte zu managen? Die Anforderungen an das Property Management, den Betrieb, die Vermietung und das Marketing von großen Handelsimmobilien werden anspruchsvoller, denn der Handel ist kein Selbstläufer mehr. Der Druck auf die Assetklasse der Center nimmt zu. Umso wichtiger wird es für Eigentümer, die Risiken aus Management und Betrieb zu minimieren. Für dieses Versprechen stehen wir, und das ist einer der Gründe für unsere gute Geschäftsentwicklung. Damit ist die REM-Transaktion viel mehr als eine reine Akquisition. Sie ist ein wichtiger Meilenstein, um unsere auf institutionelle Investoren ausgerichtete Services-Plattform zum strategischen Wachstumstreiber in Europa zu machen.
Mit der Übernahme von REM hat sich Sonae Sierra in Deutschland auf einen Schlag immens vergrößert. Welchen Gewinn erwarten Sie im Gegenzug zu dem Aufwand und Risiko?
Tatsächlich wurden wir im Oktober 2025 über Nacht in Deutschland mit der vollzogenen Akquisition zum zweitgrößten Property Manager für Center im Eigentum Dritter. Von sechs auf 18 Shopping Center, von 70 auf 250 Mitarbeitende – das ist heute noch ebenso herausfordernd wie bereichernd und inspirierend. Es ist für uns alle ein Kraftakt, aber zum Glück haben wir ein sehr engagiertes Team dazu gewonnen, und es macht Spaß, jeden Tag mehr zu sehen, wie die Transformation gelingt. Auch der Stolz und die neue Bedeutung, die wir hier haben, trägt uns, denn Sonae Sierra ist nun eine der größten Managementplattformen für Center in Deutschland.
Stärkung in Europa
Aber nicht nur hier, denn die Übernahme hat unsere Rolle als vertrauenswürdiger Partner für institutionelle Eigentümer in ganz Europa noch einmal deutlich gestärkt. Heute managt Sonae Sierra mehr als 560 Immobilien mit über 3,3 Millionen Quadratmetern in mehreren Ländern. Das ist Teil unserer Botschaft und unserer Wachstumsstrategie: Je größer wir werden, desto besser wird unsere Fähigkeit, Investoren und Immobilieneigentümer in unterschiedlichen Märkten beim Management ihrer Immobilien-Portfolios zu unterstützen.
Voriges Jahr REM mit zwölf Centern im Management in Deutschland, und nun die Übernahme von 100 Prozent der spanischen SCCE, die 18 Center für Dritte managt. Warum so viel?
Ganz einfach: Wir wollen in Europa wachsen. Mit beiden Übernahmen verfolgen wir unsere neue Geschäftsstrategie, das Services-Geschäft auszubauen. Mit beiden Mergern gewinnen wir vieles hinzu, was wichtig ist: Kenntnisse der lokalen Märkte, Partnerschaften mit institutionellen Investoren, mit Einzelhändlern und Mietern, Daten zu Besuchszahlen, Umsätzen, Produktivität, Mietermix, Marketingaktivitäten oder auch zur Energieeffizienz oder Digitalisierung. All das verwandeln wir in Wissen, um die Investitionsstrategien der Eigentümer und die Expansionsziele der Händler zu unterstützen.
Zukunft mitgestalten
Wir möchten die Zukunft der Shopping Center und der Innenstädte in Deutschland und Europa mitgestalten, die ESG-Themen weiter nach vorn bringen, uns Gedanken machen zu künftigen Nutzungsmöglichkeiten, zu Quartiersentwicklungen, Mobilität, aber auch zu Perspektiven für den Handel, wir möchten den Prozess der Digitalisierung und Transformation begleiten. Am Ende des Tages möchten wir nachhaltige Werte für Investoren, Mieter und Städte schaffen.
Das Interview führte
Susanne Müller