Herausforderungen beim Klimaschutz

Solaranlagen
Betreiber von Shopping Centern planen, einen großen Teil ihrer Center mit großflächigen Solaranlagen auszustatten. © Pixabay / Tosten Simon

Handel und Immobilien
Optimismus

Dr. Andreas Mattner

Unsere Gesellschaft sieht sich durch die Klimakrise massiven Herausforderungen ausgesetzt. In Europa ist der Gebäudesektor für circa 40 Prozent des Energieverbrauchs und 36 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Das verdeutlicht einerseits die große wirtschaftliche Bedeutung des Sektors. Zugleich liegt darin für die Immobilienwirtschaft die Aufgabe, durch weitere Effizienzsteigerungen und fortgesetzte Redu­zierung von CO2-Emissionen auch mittels des Einsatzes erneuerbarer Energien Verantwortung für den Klimaschutz zu übernehmen.

Die Immobilienwirtschaft ist in Deutschland mit knapp 800.000 Unternehmen und 3,5 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eine der größten und dynamischsten Branchen. Das zeigt: Die Immobilienwirtschaft ist ein zentraler Akteur, der einen bedeutsamen Teil zum Erreichen der Klimaziele beitragen kann und muss.

Nachhaltigkeit, Klimaneutralität und erneuerbare Energien sind längst mehr als nur Schlagworte. Sie bestimmen inzwischen auch das wirtschaftliche Handeln zu einem wesentlichen Teil. Mehr noch: Heute können es sich Unternehmen nicht mehr leisten, sich nicht mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Dabei geht es längst nicht „nur“ um das Klima. Es geht um knallharte ökonomische und strategische Überlegungen, um Konkurrenz- und Wettbewerbsfähigkeit. Es geht also um die Zukunftsfähigkeit eines Geschäftsmodells, darum, am Markt zu bestehen.

Verantwortung und Chancen

Dieser Realität stellen sich auch Eigentümer und Mieter von Wirtschaftsimmobilien, deren Einheiten sich häufig unter anderem durch ihre Größe auszeichnen und die damit viel Potenzial bieten, welches es zu nutzen gilt. Es ergeben sich daraus komplexe Situationen und eine große Verantwortung, aber auch riesige Chancen. Die Branche ist im Umbruch. Energie- und Klimakrise, steigende Kosten für Energie zwingen zu einem konsequenten Handeln.

Welche Potenziale in diesem Bereich stecken, haben der ZIA und der German Council of Shopping Places schon eindrucksvoll in einer Dokumentation veranschaulicht. Flächendeckend wurden im Jahr 2022 Energiesparmaßnahmen in Handelsimmobilien umgesetzt und der Verbrauch von fossilen Energien und Strom um 15 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019 gesenkt. Und: Das Einspar-Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft. Weitere Einsparungen von 15 bis 20 Prozent sind möglich.

Energieverbrauch deutlich gesenkt

Schon bevor es die Energiekrise in Deutschland notwendig machte, den Verbrauch zu reduzieren, wurde der Energieverbrauch durch Modernisierungen und Investitionen in die Gebäudetechnik und –ausstattung nachhaltig deutlich gesenkt. Eine effiziente Steuerung des Energieverbrauchs, die Installation effizienterer Geräte, einschließlich der Installation von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien vor Ort sind unumgänglich. Innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre soll der Energieverbrauch um weitere zehn Prozent gesenkt werden.

Die Branche hat sich zum Ziel gesetzt, den gesamten CO2-Ausstoß bis 2030 um bis zu 50 Prozent im Vergleich zur Vor-Pandemiezeit zu reduzieren. Betreiber von Shopping Centern planen, einen großen Teil ihrer Center mit großflächigen Solaranlagen auf den Dächern auszustatten, um so einen wesentlichen Anteil des benötigten Allgemein-Stroms künftig selbst zu produzieren.

Potenziale heben – Politik kann fördern

Die Politik kann hier in Form der richtigen rechtlichen Rahmenbedingungen für Beschleunigung und Erleichterung sorgen. Das Solarpaket I liegt als Referentenentwurf des BMWK vor und ist für den ambitionierten Ausbau der Photovoltaik in Deutschland eine wichtige Basis. Grundlegende Hemmnisse wie beispielsweise die Anlagenzusammenfassung sowie das Reststrommengenbeschaffungsrisiko für die Bestandshalter wurden beseitigt. Positiv sieht der ZIA zudem die Ausweitungen beim Mieterstrom im Hinblick auf Wirtschaftsimmobilien sowie die Einführung der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung. Weitere Erleichterungen sind allerdings im Hinblick auf die Direktvermarktungsgrenze, steuerlichen Hemmnissen und technischen Anschlussbedingungen von Nöten. Die Eigenerzeugung von Solarstrom als Beitrag der Immobilienwirtschaft zur Transformation sollte anerkannt werden.

Der Blick nach Brüssel

Die Europäische Union geht die Klimakrise mit dem Green Deal an. Das Ziel: europäische Klimaneutralität in 2050. Die europäische Gebäudeenergieeffizienzrichtlinie EPBD ist dabei ein wichtiger Baustein. Im bevorstehenden EPBD-Trilog-Verfahren werden weitreichende Maßnahmen im Gebäudebereich auf europäischer Ebene diskutiert. Der ZIA fordert hier, klimapolitisch ambitionierte Ziele mit den unverzichtbaren Grundsätzen sozialer Verträglichkeit und wirtschaftlicher Leistbarkeit in Einklang zu bringen.

Aller Voraussicht nach können die meisten Gebäude, für die durch die novellierte EPBD eine Sanierung vorgesehen wäre, aus rein technischer Sicht auf die vom Parlament vorgeschlagenen Stufen saniert werden. De facto jedoch werden aufgrund verschiedener Faktoren – unter anderem gestiegene Baukosten, Kapitalmangel, Fachkräftemangel – nicht alle energetisch ineffizienten Immobilien einer Sanierung unterzogen werden können. Der ZIA unterstützt daher den „worst first“-Ansatz. Ein umfangreiches Vollzugsdefizit bei Erreichen der Stichtage als Resultat unrealistischer Vorgaben muss vermieden werden.

Festzuhalten bleibt, dass der Handel mit seinen Immobilien einen signifikanten Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Dabei sollte die Politik unterstützen und weitere Hürden abbauen, um noch mehr Anreize zu schaffen.


Ein Gastbeitrag von
Dr. Andreas Mattner
Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA)