Immo-Markt von morgen

Interview
Values
Ingmar Behrens
Internationale Investoren blicken oft nüchterner und langfristiger auf den deutschen Immobilienmarkt als viele heimische Akteure. Dr. Hans Volkert Volckens, einer der erfahrensten Kenner der Branche, erläutert im Gespräch, warum Deutschland trotz aktueller Herausforderungen attraktiv bleibt, welche Rolle geopolitische Entwicklungen für Immobilienwerte spielen und weshalb traditionelle Tugenden wie Verlässlichkeit und Verantwortung gerade heute an Bedeutung gewinnen.
Ihr Blick auf den weltweiten und besonders den deutschen Immobilienmarkt basiert auf jahrzehntelanger Erfahrung. Was sehen internationale Investoren an Werten und Potenzialen, was andere nicht erkennen wollen?
Dr. Hans Volkert Volckens: Internationale Investoren haben oft mehr Vertrauen in Deutschland als die Deutschen selbst. Während hierzulande häufig über Krisen, Regulierung und Standortnachteile gesprochen wird, blicken viele internationale Kapitalgeber auf die langfristigen Fundamentaldaten. Sie sehen Rechtsstaatlichkeit, Eigentumssicherheit, wirtschaftliche Substanz, hohe Urbanisierung und einen der größten Investmentmärkte Europas. Vor allem aber erkennen sie, dass sich in Phasen allgemeiner Verunsicherung häufig die attraktivsten Einstiegsgelegenheiten ergeben. Erfolgreiche Investoren investieren nicht in die Stimmung von heute, sondern in die Realität von morgen.
Welche Auswirkungen hat die geopolitische Lage auf den deutschen Immobilienmarkt?
Die Immobilienwirtschaft muss verstehen, dass der Preise und Zinsen geopolitische Derivate geworden sind. Die großen Entwicklungen unserer Zeit – geopolitische Konflikte, Energieversorgung, Verteidigungsausgaben, Handelskonflikte und die Neuordnung globaler Machtverhältnisse – beeinflussen unmittelbar Inflation, Kapitalströme und Finanzierungskosten. Wer künftig Immobilienwerte, Risiken oder Refinanzierungen beurteilen will, muss geopolitische Entwicklungen ebenso sorgfältig analysieren wie Mietmärkte oder Baukosten. Die Branche beginnt gerade erst zu verstehen, wie eng beides miteinander verbunden ist.
Sie sind als gebürtiger Hamburger ein echter Hanseat. Welche Tugenden haben für Sie einen besonderen Stellenwert?
Meine Familie hat zwar starke hanseatische Wurzeln, geprägt wurde ich jedoch ebenso durch das Aufwachsen auf einem landwirtschaftlichen Gutsbetrieb in Holstein. Dort lernt man früh, dass Erfolg nicht aus großen Worten entsteht, sondern aus Verlässlichkeit, Disziplin und täglicher Arbeit.
Deshalb haben für mich drei Tugenden einen besonderen Stellenwert: Verantwortung übernehmen, Wort halten und Leistung respektieren. Der Hanseat nennt es Handschlagqualität, der Landwirt Bodenständigkeit. Beides verbindet die Überzeugung, dass Vertrauen nicht eingefordert, sondern verdient werden muss. Gerade in einer Zeit, in der vieles kurzfristiger und lauter wird, gewinnen diese Werte für mich an Bedeutung.
Das Interview führte
Ingmar Behrens