In Europa geht’s voran

Einzelhandel
Der europäische Einzelhandel ist auf Erholungskurs. © henjon – stock.adobe.com

Handel und Immobilien
Spirit

Susanne Müller

Im dritten Quartal 2025 erreicht der Europäische Einzelhandelsmarkt einen neuen Höhepunkt: Der Global Retail Attractiveness Index (GRAI) der Union Investment in Kooperation mit NIQ GfK weist für die EU-15-Region einen historischen Höchstwert von 116,6 Punkten aus – das höchste Niveau seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2018. Mit diesem starken Ergebnis liegt Europa klar vor Nordamerika (97,5 Punkte) sowie dem Asien-Pazifik-Raum (96,3 Punkte).

Trotz globaler Herausforderungen wie Inflation, Arbeitskräftemangel und nach wie vor volatil schwankender Nachfrage behält Europas Einzelhandelsmarkt seine Stabilität. Der GRAI kombiniert verschiedene Faktoren – Verbraucher- und Einzelhandelsvertrauen, Arbeitslosenquote sowie Einzelhandelsumsätze – und zeigt damit ein ganzheitliches Bild der Marktattraktivität. Dass Europa mit 116,6 Punkten deutlich über den US-amerikanischen und asiatisch-pazifischen Märkten liegt, verdeutlicht die relative Resilienz und Stärke der Region. Besonders bemerkenswert: Der EU-15 Retail Index hat erstmals den Wert aus dem ersten Quartal 2018 übertroffen und signalisiert damit eine stabile, nachhaltige Aufwärtsentwicklung nach der Corona-bedingten Schwächephase.

Neue Spitzenreiter

Trotz des insgesamt positiven Trends verlaufen die Entwicklungen auf Länderebene durchaus heterogen. Der Wachstumspfad wurde in den letzten Quartalen insbesondere von jenen Märkten getragen, die vor allem von steigender Verbraucherstimmung und robusten Einzelhandelsumsätzen profitieren. Im GRAI-Länderranking 2025 bilden sich neue Spitzenreiter heraus: Mit 131 Punkten führt Polen das Ranking an, gefolgt von Tschechien mit 120 und Portugal mit 118 Punkten. Auf den Plätzen vier und fünf folgen überraschend Deutschland und Italien – beide mit jeweils 116 Punkten. Deutschland verzeichnet dabei einen weiteren Anstieg um drei Punkte im Vergleich zum Vorquartal.

Klare Trendwende

Besonders die Trendwende im Bereich Verbrauchervertrauen fällt ins Gewicht: Die Verbraucherstimmung legte innerhalb eines Jahres um acht Punkte auf 85 zu. Und nicht nur das: Der Arbeitsmarktindex kletterte auf 137 Punkte, die Einzelhandelsumsätze erreichten im Quartalsvergleich 135 Punkte – jeweils ein deutlicher Zuwachs. Demgegenüber verblieb die Händlerstimmung nahezu konstant bei 100 Punkten. Solche Kombinationen aus gestiegener Nachfrage, stabiler Beschäftigung und Umsatzwachstum wirken wie ein Multiplikator für das gesamte Handelsumfeld.

Gezielt investieren

Für Asset- und Investmentmanager ergeben sich aus dieser Entwicklung klare Handlungsoptionen: Die aktuellen Rahmenbedingungen – stabile Nachfrage, positives Konsumentensentiment, günstige Arbeitsmarktlage – bieten ideale Voraussetzungen für gezielte Investitionen in Einzelhandelsimmobilien oder strategische Portfolioumschichtungen. Insbesondere in Märkten mit starkem GRAI-Profil – wie Polen, Portugal oder Deutschland – könnten selektiv attraktive Renditen erzielt werden. Diese Entwicklung, so die Experten, dürfte auch das Interesse internationaler Investoren auf Europa lenken und langfristige Investments befördern.

Blick nach vorn

Während der erneute Spitzenwert des EU-15 Retail Index und die positive Entwicklung in vielen Ländern Anlass zur Zuversicht geben, bleiben Risiken bestehen. Unterschiedliche nationale Arbeitsmarktdaten, geopolitische Spannungen und makroökonomische Unsicherheiten können – je nach Land – dämpfend wirken. Dennoch: Der GRAI verdeutlicht, dass Europa aktuell das widerstandsfähigste Einzelhandelsumfeld weltweit bietet. Mit Blick auf das vierte Quartal 2025 und darüber hinaus stehen die Zeichen auf Stabilisierung und Wachstum — vorausgesetzt, Konsumfreude, Beschäftigung und Investitionsbereitschaft bleiben bestehen. Für Handel, Immobilienwirtschaft und Investoren könnte sich Europa damit nachhaltig als global führender Einzelhandelsstandort etablieren.

Susanne Müller