Inflation in aller Munde – Verbraucher und Händler leiden

Immer teurer werden derzeit auch Lebensmittel wie Obst und Gemüse. © Pixabay / Sven Hilker

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Gerade kostete ein Produkt noch 1,99 – und klettert eine Woche später sprunghaft auf 2,49 Euro. Gelebter Alltag im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Aktuelle Zahlen des ifo Instituts bestätigen den gefühlten Teuerungswahnsinn: Tatsächlich plant fast jeder Händler höhere Preise.

Laut ifo-Umfrage lagen die Preiserwartungen der Einzelhändler für Nahrungs- und Genussmittel im Juni bei 98,9 Punkten. Auch in den übrigen Sparten des Einzelhandels will eine Mehrheit der Befragten ihre Preise anheben. Dort stiegen die Preiserwartungen auf 78,6 Punkte von zuvor 75,5. „Damit dürften die Inflationsraten vorerst weiter hoch bleiben“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

Doch er macht auch ein wenig Hoffnung:  „Allerdings gibt es erste Anzeichen dafür, dass die Inflationsrate im späteren Verlauf des Jahres allmählich wieder sinken könnte. Denn die Preiserwartungen in einigen Wirtschaftszweigen, deren Produktion dem Konsum vorgelagert ist, sind bereits das zweite Mal in Folge gesunken.“ Dazu zählen die Industrie (59,7 Punkte von zuvor 66,7), das Baugewerbe (50,0 Punkte von zuvor 56,0) und der Großhandel (57,4 Punkte von zuvor 68,1). Nur bei den Dienstleistern blieben die Preiserwartungen weitgehend unverändert bei 47,1 Punkten.

Ganze Eurozone ist betroffen

Die Deutschen sind nicht die Einzigen, die unter der Inflation leiden. Wie die Statistikbehörde Eurostat jetzt mitteilte, habe die Teuerungsrate im Euroraum im Juni 8,6 Prozent betragen – gegenüber 8,1 Prozent im Mai. Im Hinblick auf die Hauptkomponenten der Inflation wird erwartet, dass Energie die höchste jährliche Rate aufweist (41,9 Prozent im Juni gegenüber 39,1 Prozent im Mai), gefolgt von Lebensmitteln, Alkohol und Tabak (8,9 Prozent im Juni gegenüber 7,5 Prozent im Mai), Industriegütern ohne Energie (4,3 Prozent im Juni gegenüber 4,2 Prozent im Mai) und Dienstleistungen (3,4 Prozent gegenüber 3,5 Prozent im Mai).

Aber auch aus Händlersicht ist die Situation beileibe nicht rosig: Die steigende Inflation, immer höhere Energiekosten und eine schlechte Verbraucherstimmung sorgen für herausfordernde Rahmenbedingungen im Einzelhandel. Dementsprechend rechnen in einer aktuellen Umfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) unter 800 Unternehmen 44 Prozent der Befragten für das Gesamtjahr 2022 mit sinkenden Umsätzen. Der HDE geht für die Branche insgesamt von einem nominalen Umsatzwachstum von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus, inflationsbereinigt rutscht der Einzelhandel zwei Prozent ins Minus. „Der russische Krieg in der Ukraine und Corona-Lockdowns in Asien stören die Lieferketten, die Inflation steigt, und die Energiekosten erreichen ungeahnte Höhen. Die Lage ist alles andere als einfach, die Zukunftsaussichten in vielerlei Hinsicht schwierig zu beurteilen“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Bundesregierung muss geschlossener reagieren

Der HDE-Vorsitzende sieht die Politik in der Pflicht. „Die Bundesregierung muss auf die aktuellen Herausforderungen noch entschlossener und zielgerichteter reagieren. Die Unternehmen dürfen durch die ungebremst ansteigenden Energiepreise nicht überlastet werden. Zudem muss die Kaufkraft der Verbraucherinnen und Verbraucher gestützt werden“, so Genth. Der HDE setzt sich deshalb unter anderem für die Abschaffung der kalten Progression und Entlastungen für Geringverdiener ein. Zudem fordert der Verband die Anpassung der bestehenden KfW-Kredit-Programme für von den hohen Energiepreisen überforderte Unternehmen. Derzeit können die meisten Handelsunternehmen aufgrund der falsch angesetzten Zugangshürden nicht daran teilhaben. „Bei den Energiepreisen muss dringend Entlastung her. Die Stromsteuer sollte auf ein Minimum reduziert werden, und die EU muss Modelle für einen gemeinsamen, dann günstigeren, Gaseinkauf angehen. Denkbar ist auch ein Gaspreisdeckel wie in Spanien und Portugal“, so Genth weiter.