Inflationsrate leicht gesunken, aber keine Entwarnung

Nahrungsmittel sind Preistreiber im Inflationsgeschehen. © Pixabay / Gabe Raggio

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Entwarnung in punkto steigende Preise? Noch nicht, obwohl das Statistische Bundesamt (Destatis) für Mai mit +6,1 Prozent eine niedrige Inflationsrate festgestellt hat als im März und April, als die Zahlen noch bei mehr als sieben Prozent lagen.

„Die Inflationsrate hat sich damit weiter abgeschwächt, bleibt jedoch trotzdem auf einem hohen Niveau“, sagt Destatis-Präsidentin Ruth Brand und ergänzt: „Deutlich geringer fiel im Mai der Preisauftrieb bei Energie gegenüber dem Vorjahresmonat aus. Die Nahrungsmittel bleiben auch in diesem Monat der stärkste Preistreiber.“ Wie Destatis weiter mitteilt, sanken die Verbraucherpreise im Mai 2023 gegenüber dem Vormonat April 2023 um 0,1 Prozent.

Energieprodukte um 2,6 Prozent teurer

Die Preise für Energieprodukte lagen im Mai 2023 um 2,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Ihre Teuerung hat sich damit merklich abschwächt (April +6,8 Prozent) und liegt mittlerweile deutlich unterhalb der Gesamtteuerung. Verantwortlich für den seit März 2023 unterdurchschnittlichen Preisauftrieb der Energie ist insbesondere ein Basiseffekt aufgrund der starken Preisanstiege im Vorjahr infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine. Gleichzeitig ist die Preisentwicklung bei Energie durch viele Faktoren geprägt, wie aktuell durch Preisrückgänge auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen. Auch die Maßnahmen des dritten Entlastungspakets der Bundesregierung wie die Preisbremsen für Strom, Erdgas und Fernwärme trugen zur Abschwächung der Energiepreisentwicklung bei. Von Mai 2022 bis Mai 2023 verteuerten sich Erdgas mit +25,6 Prozent sowie Brennholz, Holzpellets oder andere feste Brennstoffe mit +23,8 Prozent besonders stark. Überdurchschnittlich erhöhten sich auch die Preise für Strom (+12,7 Prozent) und Fernwärme (+11,4 Prozent). Die Teuerungsraten für diese Haushaltsenergieprodukte haben sich jedoch etwas abgeschwächt. Dagegen verbilligten sich die Mineralölprodukte deutlich mit -15,5 Prozent, hier waren sowohl leichtes Heizöl (-30,5 Prozent) als auch Kraftstoffe (-14,2 Prozent) günstiger als vor einem Jahr.

Nahrungsmittel stärkster Preistreiber

Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich im Mai 2023 um 14,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Dieser Preisauftrieb hat sich zwar etwas abgeschwächt (April 2023 +17,2 Prozent), sie bleiben jedoch mit Abstand der stärkste Preistreiber unter den Güterbereichen. Teurer binnen Jahresfrist wurden vor allem Molkereiprodukte (+28,2 Prozent), Brot und Getreideerzeugnisse (+19,3 Prozent) sowie Fisch, Fischwaren und Meeresfrüchte (+19,0 Prozent). Auch für andere Nahrungsmittel, zum Beispiel für Zucker, Marmelade, Honig und andere Süßwaren (+17,9 Prozent) sowie für Gemüse (+17,3 Prozent), mussten die Verbraucherinnen und Verbraucher weiterhin spürbar mehr bezahlen. Hingegen waren Speisefette und Speiseöle um 7,1 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor, insbesondere durch den Preisrückgang bei Butter (-23,3 Prozent).

Teuerung weiterhin hoch

Im Mai 2023 lag die Inflationsrate ohne Energie bei +6,5 Prozent. Die Inflationsrate ohne Berücksichtigung von Energie und Nahrungsmitteln lag mit +5,4 Prozent niedriger und zeigt, wie stark die Nahrungsmittelpreise die Gesamtteuerung prägen. Gleichzeitig wird durch diese Kenngröße deutlich, dass auch in anderen Güterbereichen die Teuerung weiterhin hoch ist. Bereits im Dezember 2022 lag der Verbraucherpreisindex ohne Energie und Nahrungsmittel mit +5,2 Prozent über der Fünf-Prozent-Marke und hatte sich seit Jahresbeginn sogar erhöht (April und März 2023 jeweils +5,8 Prozent). Im Vergleich zu den vorherigen Monaten hat sich der Wert hierfür nun etwas abgeschwächt. Die Preise für Waren insgesamt erhöhten sich im Mai 2023 gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,7 Prozent. Verbrauchsgüter verteuerten sich mit +9,1 Prozent besonders stark, vor allem aufgrund des Preisanstiegs bei Nahrungsmitteln. Die Preise von Gebrauchsgütern lagen gegenüber Mai 2022 um 5,3 Prozent höher.