Innenstadt im Wandel

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Redaktion
Die Innenstadt-Transformation steckt in vielen Bereichen noch in den Kinderschuhen. Wie tiefgreifend der Wandel ist und wie er gelingen kann, zeigte die Kommunal Konferenz des GCSP in Essen. Das Besondere an diesem Netzwerktreffen? Statt glattgebügelter Hochglanz-Projekte standen radikale Aufrichtigkeit, ungeschminkte Herausforderungen und ein intensiver, interdisziplinärer Austausch im Mittelpunkt.
Einigkeit herrschte vor allem über eine grundlegende Binsenweisheit, die in der Praxis oft zu kurz kommt: Zusammen geht es immer besser. Stadt ist Konfrontation, Stadt ist Kommunikation. Umso wertvoller war das Aufeinanderprallen von Immobilienwirtschaft, Projektentwicklern, Handel und städtischen Vertretern. Die Energie im Raum war sofort spürbar, und die Gastgeberstadt Essen – präsentiert durch die EMG – Essen Marketing GmbH – lieferte die perfekte Kulisse. Bei Stadtrundgängen wurden neben spannenden Zukunftsprojekten wie der neuen Zentralbibliothek oder der Entwicklung der Rathaus Galerie auch die realen Baustellen wie Leerstand, Sicherheit und Sauberkeit offen thematisiert. Aus den intensiven Diskussionen, Keynotes und Panels lassen sich die entscheidenden Impulse für die Stadt von morgen herauskristallisieren.
Wenn Handel und Erlebnisse verschmelzen
Die provokante Frage „Wer braucht noch den Handel?“ wurde klar beantwortet: Erlebnis braucht eine verlässliche Nahversorgung. Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) sorgt mit seiner Resilienz für wirtschaftliche Stabilität und fungiert als langfristiger Frequenzbringer. Gleichzeitig wäre es ein Fehler, den Handel kleinzureden, nur weil es aktuell en vogue ist. Ohne ihn verliert die City ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit. Er muss sich jedoch wandeln – hin zu einem Ort der Inspiration, Begegnung und Interaktion. Klar ist aber auch: Die Innenstadt muss künftig viel breiter gedacht werden. Neue Anker urbaner Vitalität heißen Gesundheit, Sport, Bildung, Kultur, Gastronomie und Entertainment. Ein starker Impuls kam hierzu von CSL Plasma: Gesundheitsangebote im Zentrum schaffen durch regelmäßige Besucherströme und eine hohe Standortbindung verlässliche, neue Frequenzen.
Langer Atem statt Strohfeuer
10 Millionen Euro Budget? „Will ich nicht haben“, überraschte Richard Röhrhoff, Chef der EMG – Essen Marketing GmbH, das Publikum. Seine Begründung lieferte einen der stärksten Gedanken der Konferenz: Ein großer, einmaliger Finanzeffekt hilft Städten weniger als ein langer Atem. Innenstädte brauchen keine teuren Strohfeuer, sondern wiederkehrende Anlässe, gute Formate und dauerhafte Gründe, warum Menschen immer wiederkommen. Dass dies funktioniert, beweist Essen selbst – unter anderem mit dem Light Festival, dem „Tag der Überflieger“ oder einem der beliebtesten Weihnachtsmärkte Europas.
Gute Räume statt bloßer Architektur
„In der Vergangenheit wurden oft gute Häuser gebaut, aber zu selten gute Räume“, bilanzierte Architekt Christoph M. Achammer selbstkritisch in seiner Keynote. Eine lebendige Innenstadt entsteht dort, wo Aufenthaltsqualität, Nutzung, Überraschung und Menschlichkeit zusammenkommen. Genau das ist der entscheidende Vorteil gegenüber dem digitalen Raum. Das Motto lautet: „Expect the unexpected.“ Urbanität lebt vom Unperfekten und der spontanen Begegnung.Dazu passt der psychologische Effekt von Stadtgestaltung: Lichtinszenierungen (wie von MK Illumination präsentiert) erhöhen die Verweildauer und stärken die Identifikation mit dem Standort. Eine zitierte Studie belegte zudem, dass klug gestaltete öffentliche Räume das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger um 14 Prozent steigern können.
Sicherheit und Stadtqualität als Einheit
Die Frage lautet längst nicht mehr, ob Innenstädte geschützt werden müssen, sondern wie. Sicherheitsmaßnahmen dürfen den öffentlichen Raum nicht dominieren oder abschrecken. Sie müssen stattdessen klug in ein Gesamtkonzept integriert werden, das Sicherheit, Mobilität, Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität als Einheit begreift. Die Innenstadt muss die sichere Bühne des städtischen Lebens bleiben.
Radikale Aufrichtigkeit beim Bohren dicker Bretter
Um die Transformation voranzutreiben, braucht es das Fundament der „radikalen Aufrichtigkeit“. Konfliktthemen dürfen nicht umschifft werden. Dazu gehört auch der Mut, das dickste Brett unumwunden zu benennen: die Mieten. Hier müssen Eigentümer und Kommunen in den ehrlichen Dialog gehen. Für ein erfolgreiches strategisches Flächenmanagement braucht es zudem deutlich schnellere, unbürokratische Genehmigungsverfahren und den Mut zur echten Nutzungsmischung. Dass unterschiedliche Interessen aufeinanderprallen, ist kein Makel, sondern der einzig wahre Treibstoff für pragmatische Lösungen.
Ausblick: Der Weg ist nicht einfach und das interdisziplinäre „Team Innenstadt“ steht in vielen Kommunen noch am Anfang eines intensiven Lernprozesses. Doch der Stein rollt. Oder wie GCSP-Vorstand Harald Ortner es treffend zusammenfasste: „In 10 Jahren wird man auf die schauen, die die Transformation der Innenstädte als erstes angegangen sind, zuerst neue Nutzungen ausprobiert und etabliert haben.“
Ein großes Dankeschön der Teilnehmer ging an das großartige Gastgeber-Team der Essen Marketing GmbH sowie an den German Council of Shopping Places, der dieses wichtige, interdisziplinäre Format maßgeblich vorantreibt. Die Fortsetzung folgt 2027: Dann trifft sich das Netzwerk zur nächsten GCSP Kommunal Konferenz in Heilbronn.
Redaktion