Innenstädte neu denken am Beispiel von Cottbus

Cottbus hat leicht an Einzelhandelsfläche verloren. © Pixabay / Sabine Bends

Vor Ort

Zu einer attraktiven und lebendigen Innenstadt gehört immer auch der stationäre Einzelhandel. Doch gerade kleine, inhabergeführte Geschäfte sind durch die Corona-Pandemie und den Auswirkungen des Ukraine-Krieges massiv unter Druck geraten. Mit dem Projekt „Innenstädte neu denken“ will die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus gegensteuern und neue Ideen für Innenstädte entwickeln.

Stadtmarketing- und Werbegemeinschaften, Unternehmen aller Branchen sowie Städte und Gemeinden sollen bei der Planung und Durchführung von drängenden Handlungsansätzen und Projekten bis zum Jahr 2025 unterstützt werden. Offizieller Startschuss war die Präsentation der Ergebnisse der Einzelhandelserfassung des Landes Brandenburg, durchgeführt und erstellt durch die BBE Unternehmensberatung. Dr. Ulrich Kollatz, Leiter der BBE-Niederlassung Leipzig: „Wir haben Empfehlungen für Mittel- und Oberzentren im Kammerbezirk Südbrandenburg erarbeitet, damit Standortoptimierungskonzepte zur Revitalisierung der Innenstädte entwickelt werden.“

Gestiegene Verbrauchsausgaben

Die Einzelhandelserfassung im Verflechtungsbereich Cottbus zeigt dabei eine leicht rückläufige Bevölkerungsentwicklung in der Stadt. Diese konnte jedoch durch die gestiegenen einzelhandelsrelevanten Verbrauchsausgaben pro Kopf und Jahr überkompensiert werden. Kollatz: „Die Anzahl der Einzelhandelsbetriebe ist zwar von ehemals 800 auf 664 Betriebe gesunken (-17 Prozent). Die gleichfalls rückläufige Verkaufsfläche sank allerdings nur um etwa fünf Prozent.“ Der Verkaufsflächenanteil der Innenstadt liegt derzeit bei rund 20 Prozent am gesamten Einzelhandelsbesatz in Cottbus. 

Verlust eines Magneten

Die bevorstehende Schließung des Kaufhauses Galeria Kaufhof ist in diesem Kontext als mehrschichtiger Verlust einzustufen. Kollatz: „Sicherlich zunächst als Verlust eines Magneten, welcher über Jahrzehnte die Cottbuser Innenstadt mitgeprägt hat. Zugleich aber auch als Verlust eines erheblichen Anteils der innerstädtischen Verkaufsfläche - rund 23 Prozent - und nicht zuletzt als weiterer Attraktivitätsverlust bei drohendem Leerstand.“

Alle an einen Tisch

Kollatz empfiehlt, eine stärkere Innenstadt-Resilienz über verschiedene Impulse zu sichern. So müssten zum Beispiel der juristischen Rahmen und die Genehmigungsprozesse verbessert und neue Aufenthaltsanlässe in der Innenstadt geschaffen werden. Zugleich sei eine Veränderung am Mix der Assetklassen nötig. Kollatz: „Voraussetzung für alle Maßnahmen ist jedoch, dass alle innerstädtischen Akteure an einem Tisch sitzen und an einem Strang ziehen. Denn nur gemeinsam können die großen Herausforderungen gemeistert werden.“