Kino als Frequenzbringer

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Susanne Müller
Placemaking und Eventcharakter – diese Kriterien sind Gebot der Stunde für Entwickler zukunftsfähiger Shopping-Destinationen. In diesem Sinne präsentiert das Kinopolis im kürzlich eröffneten Westfield Hamburg-Überseequartier Kino-Genuss in völlig neuen Dimensionen. Bisher einzigartig in Deutschland, vereint das Konzept Ausgehen und Cinema in exklusivem Rahmen und stellt somit einen veritablen Anker für Besucherfrequenzen dar.
„In den vergangenen Jahren haben Kinos landauf, landab an Zulauf verloren, bedingt durch Corona, Streaming-Dienste und einem Mangel an guten neuen Filmen“, hat Ruprecht Melder, Group Board Director Chapman Taylor, beobachtet. Die Couch-Potatoes jetzt wieder von Netflix & Co. in die Filmpaläste zurück zu locken, bedürfe also extraordinärer Maßnahmen. Der Flagship-Store von Kinopolis im Überseequartier macht’s grandios vor und ist somit bundesweit Role-Model. Zehn Kinosäle auf zwei Etagen mit riesigen Leinwänden und hypermoderner Technik plus ein beeindruckendes Foyer – Cinema strikes back.
Spektakuläre Features
Das Düsseldorfer Team des gestaltenden Architekturbüros Chapman Taylor hat sich bei der Ausstattung nicht lumpen und seine Fantasie überbordend spielen lassen. Kinobesucher berichteten gleichermaßen verblüfft wie begeistert von sich zu den Filmsequenzen analog bewegenden Sesseln, grandiosem Dolby-Surround-Sound und weiteren spektakulären Features.
Genießen statt Schlange stehen
Die Macher haben sich bei der Gestaltung detailverliebt gezeigt und viele innovative Ideen eingebracht. Über eine separate Rolltreppe geht’s vom Shopping Center hinauf in die Kino-Landschaft. Als Visitenkarte: „Schon beim Eintritt ins Kinopolis wechselt der Besucher vom Alltag in eine außergewöhnlich gestaltete Welt“, so Natalie Meiners, Head of Interior Design Chapman Taylor. „Statt wie gewohnt an der Kinokasse anzustehen, treffen sich Gäste gechillt im Foyer bei gepflegten Cocktails und anderen Drinks. In dieser Atmosphäre können sie das reine Kino-Happening um Meeting, Genießen, Dating erweitern. Allein schon in der Lounge lässt sich‘s wunderbar ins Geschehen versinken.“ Herkömmliche Ticket-Orders sind nicht mehr nötig – die meisten Besucher kaufen ihre Karten online.
Chillen in der Golden Sea Bar
Wo anderenorts ein profaner Ticket-Counter vorgeschaltet ist, lockt im Kinopolis des Überseequartiers die Golden Sea Bar mit kräftigen Blau-Grün-Akzenten, die an eine Unterwasserwelt erinnern – passend zu Hamburgs maritimer Atmosphäre – und schimmernd goldenen Highlights als Hommage an den Glamour des Kinos. „Bereits während der Planung haben wir spontan umdisponiert“, erzählt Natalie Meiners. „Ursprünglich war ein James-Bond-Look anvisiert. Stattdessen haben wir uns aufs Hamburg-Flair eingelassen. 9000 leuchtende Stäbe hängen jetzt von der Decke – eine bisher einzigartige Gestaltung.“
Decke wie Elbe-Wellen
Mit einem maßgeschneiderten Konzept gewann Chapman Taylor Düsseldorf den Wettbewerb für das Interior Design des neuen Kinopolis-Flagship-Kinos und wurde mit dessen Umsetzung betraut. Die offene Gestaltung des Gebäudes und der großzügige Luftraum boten viel Platz für Kreativität. Ein weiteres markantes Highlight ist die auffällige Decke in Holzoptik, die, inspiriert von der Nähe zum Hamburger Hafen und der malerischen Lage an der Elbe, an eine Bewegung von Wellen erinnert.
Jede Menge Special Effects
Wer einmal im Kino-Sessel Platz genommen hat, darf auf Special Effects gespannt sein. Und diese beschränken sich bei Weitem nicht nur auf den eigentlichen Film. Natalie Meiners: „In den Sälen haben wir zum Beispiel keine statische Beleuchtung. Lichteffekte sind digital auf das jeweilige Filmgenre angepasst. Für jeden Saal gibt’s darüber hinaus besondere Farbspektren.“ Und sie beschreibt: „In Saal Nummer Eins zum Beispiel sind die Wände komplett mit Stoff bespannt und von hinten beleuchtet. Das ergibt subtile Effekte, um illuminierte Szenen abzuspielen.“ Eine Gratis-Lightshow sozusagen.
Red-Carpet-Glamour
Bling-Bling gehört zum Eventcharakter des Kinopolis dazu. Bei Filmpremieren rollt das Team den roten Teppich aus: „Mehr Menschen bedeuten ein Plus an Party. Und Catering gibt’s dann in einem Extra-Bereich.“ Apropos: In Anlehnung an die Filme serviert die Crew oftmals thematisch passende Snacks. Das Konzept scheint zu funktionieren. Laut Ruprecht Melder übertraf der überwältigende Besucherzuspruch in den ersten zwei Wochen sämtliche Erwartungen.
Placemaking als Pilotprojekt
Das Kinopolis möchten die Entwickler und Betreiber als Flagship für andere Multiplex-Kinos verstanden wissen und erfüllen somit – quasi als Prototyp – eine echte Vorbildfunktion. „Placemaking als Eventlocation ist heute für Shopping Places unverzichtbar“, gibt Natalie Meiners zu bedenken. „Die Ausstattung aufzustocken, ist ein Muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“
Susanne Müller