Komplette Neupositionierung

EEC Rheine
Neugestaltung des EEC in Rheine: Historischer Bestand im Norden – zeitgenössische Neubauten im Süden. © HLK + Partner Entwicklungsgesellschaft; FIM Unternehmensgruppe

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Susanne Müller

Ein neues Konzept, Mut zum Abbruch und das Bewahren schützenswerter Bausubstanzen, dazu ergänzende Neubauten und ein neuer Nutzungsmix: Mit dieser Strategie will die FIM Unternehmensgruppe das Ems Einkaufs Centrum (EEC) in Rheine neu positionieren und die vielfältigen Nutzungen als Quartier zum Ausdruck bringen.

Das Areal des Ems Einkaufs Centrums verläuft entlang der Lingener Straße bis zum Humboldtplatz. Im Norden befindet sich das Gebäude der historischen Spinnerei, die im Laufe der Jahre um die damals industriell genutzten Sheddachhallen ergänzt und in den 1970er Jahren zum Einkaufszentrum umgebaut wurde. Im Westen am Timmermannsufer besteht eine Wohnbebauung. Im Süden bildet das Eingangsportal zum Humboldtplatz den Übergang in die Innenstadt und zum Eingang der Tiefgarage der Stadthalle.

Ende einer Ära

Mit Schließung der letzten Real-Märkte im April 2024 endete die Ära des größten SB-Warenhausbetreibers in Deutschland. Die Türen des Real-Markts im EEC in Rheine schlossen im April 2021. Seine Verkaufsfläche betrug rund 8000 Quadratmeter. Eine Größenordnung, für die sich heute kaum mehr ein Betreiber findet. Zudem waren die Flächen, die sich über mehrere Gebäudeteile erstreckten, nicht mehr zeitgemäß. Um moderne Ladenflächen anbieten zu können, stellte die FIM Unternehmensgruppe die gesamten Bestandsflächen auf den Prüfstand. Die Einzelhandelsmietflächen im Erdgeschoss standen bis auf wenige Ausnahmen leer, während Büroflächen im Obergeschoss und die vorhandene Wohnbebauung vermietet blieben.
 
Ansatz für neuen Nutzungsmix

Das Konzept zur Neupositionierung des EEC fußt darauf, das Areal neu zu denken: Die historische Bausubsatz sollte zur Geltung gebracht und durch moderne, ebenerdige Ladenflächen ergänzt werden, die leicht zugänglich sind. Deshalb veranlasste der Investor aus Bamberg den Rückbau der Sheddachhallen und lässt eine weitere Parkplatzanlage erstellen. Wesentliche Voraussetzungen, um das EEC mit Schwerpunkt Nahversorgung positio­nieren zu können. Gleichzeitig sollte die vorhandene Büronutzung gestärkt werden, während ein modernes Hotelkonzept die bestehende Nachfrage von Geschäftsreisenden und Touristen bedient. 

Nahversorgung als Anker

Daher sieht das Konzept überwiegend nahversorgungsrelevanten Einzelhandel vor, ergänzt um einzelne Konzepte aus dem Bereich der Textil- und Non-Food-Discounter sowie Gastronomie. Es berücksichtigt sowohl moderne Flächenanforderungen des Einzelhandels als auch den einfachen, ebenerdigen Zugang zu den Flächen und gut erreichbare Parkplätze. Städteplanerisch wie aus Investorensicht passt der Fokus Nahversorgung gut: Zentrenrelevante Sortimente waren seitens der Stadt nicht mehr in dem Maße wie zuvor erwünscht. Hingegen galt es nach der Schließung des Real-Markts, die Nahversorgung im Umfeld und für Pkw-Nutzer wiederherzustellen. „Einerseits schließen wir mit dem Fokus Nahversorgung genau die Angebots­lücke, die in Rheine besteht. Andererseits bedienen wir damit die am stärksten nachgefragte Nutzungsklasse im Markt“, so Jan Lerke, Geschäftsführer der FIM Unternehmensgruppe.

Marktgerechte Flächen

Zudem haben sich seit Corona die Bereiche Lebensmittel und Drogerie nicht nur als wesentlich resilienter erwiesen, sondern sind auch viel stärker nachgefragt worden als beispielsweise Flächen für den Textileinzelhandel. Außerdem zeigt sich der Markt mit den beiden bestehenden Einkaufszentren in Rheine mehr als gesättigt. Zugunsten des neuen Nutzungsmixes reduzierte der Bauherr die Einzelhandelsflächen für innenstadtrelevante Sortimente von 11.500 Quadratmetern auf gut 8000 Quadratmeter. „Aus Investorensicht besteht ein wesentlicher Faktor darin, zu berücksichtigen, welche Immobilie auch zukünftig marktgängig ist. Hier stellen nahversorgungsrelevante Sortimente mittlerweile einen wichtigen Pfeiler dar – auch in puncto Finanzierung und Nachhaltigkeit“, führt Lerke weiter aus. 

Erhalt von Bausubstanzen

Die Grundidee, schützenswerte Bausubstanzen zu erhalten und zur Geltung zu bringen und dafür die Sheddachhallen abzubrechen, machte möglich, das Grundstück neu zu beplanen. Im ersten Bauabschnitt im historischen Hauptgebäude wurden die rund 3700 Quadratmeter große Handelsfläche im Erdgeschoss neu strukturiert und die Flächen auf die aktuellen Anforderungen angehoben. Zusätzlich entstand eine weitere Parkplatzanlage, um den Zugang zu den einzelnen Verkaufsflächen möglichst einfach zu halten. Dort finden sich nun die Geschäfte von Aldi, KiK und Takko. Noch in diesem Jahr soll dort ein Action-Markt eröffnen.

Clevere Erschließung

Auf der anderen Seite des Gebäudes erschließt die verbleibende Mall die beiden Obergeschosse mit den bestehenden Büroflächen und einem bereits modernisierten Fitnessstudio und bildet den Übergang zum südlichen Areal. Dort entstehen im zweiten Bauabschnitt teils zweigeschossige Neubauten mit einer Gesamtfläche von 8300 Quadratmetern, die zum Teil das Nahversorgungszentrum bilden. Das Angebot wird aus einem großflächigen Vollsortimenter- nämlich EDEKA – sowie einer Drogerie Rossmann, dem Tierfachmarkt Das Futterhaus, Dienstleistung und Gastronomie bestehen. In der oberen Etage wird die Büronutzung fortgeführt. Um den nahversorgungstypischen Einkauf zu erleichtern und die Laufwege zu verkürzen, ordnen sich die Handelsflächen ebenerdig an und sind von außen zugänglich. Die neue Parkplatzanordnung im Bereich des Bestands und des Neubaus eröffnete die Möglichkeit, das Hotel rückwärtig hin zur Ems anzusiedeln. Etwas abseits vom Trubel profitiert das Haus mit 100 Hotelbetten von der charmanten Fläche am Fluss. Parallel dazu wird das stark versiegelte Grundstück geöffnet, um die Zuwegung zu verbessern und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.

Stadtbildprägende Elemente

Fabrikgebäude der Textilindustrie haben das Stadtbild Rheines maßgeblich verändert. Auf dem Areal des Ems Einkaufs Centrums bestanden zwar keine denkmalschutzrechtlichen Restriktionen, dennoch handelt es sich um schützenswerte Bausubstanz industrieller Geschichte, die heute noch als standortprägend gilt. Anbauten und die zunehmende Verdichtung hatten sie jahrelang verdeckt. Um das gesamte Areal städtebaulich aufzuwerten, wurde die historische Substanz in die Gesamtplanung integriert. Eine offenere Gestaltung des Quartiers und moderne Anbauten bringen diese besser zur Geltung: im Norden das Gebäude der alten Spinnerei mit dem markanten Turm. Im Süden bleibt das Eingangsportal am Humboldtplatz erhalten, wo sich der Treppenabgang zur Tiefgarage befindet. Dort stehen eine alte Dampfmaschine und ein großes Spinnrad – Zeitzeugen der Vergangenheit. Das Eingangsportal dockt als Verbindungsachse zwischen Parkhaus und Innenstadt an. 

Öffnung zum Quartier

Die Gestaltung der Freiflächen greift den Quartiersgedanken auf: Über einen umlaufenden Arkadengang und zentrale Parkplätze können Kunden die Geschäfte im Erdgeschoss bequem erreichen. Am Humboldtplatz dienen neu geschaffene Bereiche der Außengastronomie. Verschiedene Zonen mit Bänken und Anpflanzungen sowie Aufenthaltsflächen im Bereich der Fahrradstellplätze lockern das Grundstück auf. Auch die neue Zuwegung zu den Wohnungen an der Ems führt zu einer weiteren Öffnung des Areals. Eine offene Passage gewährleistet auch zukünftig die Anbindung an die Innenstadt. Die bestehende Stadtloggia bleibt in ihrer Funktion als prägendes Entree und zur Erschließung der Tiefgarage der Stadthalle erhalten. „Ziel war, die Aufenthaltsqualität zu steigern und den Quartierscharakter, der durch die vielen Nutzungen vorhanden ist, herauszuarbeiten.“

Neue Impulse für Rheine

Die Umgestaltung und Neupositionierung des EEC wirkt sich unmittelbar auf die Attraktivität von Rheine aus. Das ergänzende Angebot aus Nahversorgung und Einzelhandel in der Innenstadt ergänzen sich in idealer Weise. Darüber hinaus versorgt das Parkhaus des EEC das Stadtzentrum mit seinen Einkaufsstraßen mit den entsprechenden Parkraumflächen. Es war ein wichtiges Anliegen der Stadt, den barrierefreien Zugang zwischen Parkhaus, EEC und der Innenstadt wiederherzustellen. Gleichzeitig bietet das geplante Hotel moderne Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen und Auswärtige, die jetzt innenstadtnah untergebracht werden können. 

Mut zum Wandel zahlt sich aus

Erst der Mut zum Abbruch machte die Umpositionierung des EEC mit Schwerpunkt Nahversorgung und die Öffnung zum Quartier möglich. Die massive bauliche Veränderung und der neue Nutzungsmix werten das Areal auf und beleben es. Die schützenwerte Bausubstanz wird bewahrt, kommt nun zur Geltung und kontrastiert die entstehenden Gebäude des Nahversorgungszentrums. Gleichwohl bleibt der Charakter der Innenstadt gewürdigt.  Damit leistet das EEC einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der Stadt Rheine. 

Susanne Müller