Lautstark Gutes tun

Metality e.V.
Mitglieder von Metality e.V. an ihrem Informationsstand beim Wacken Open-Air-Festival 2022. © Metality

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Susanne Müller

Laut. Düster. Dauerbetrunken. Aggressiv, und nicht wenige, die an den Teufel glauben … Kaum eine andere gesellschaftliche Gruppierung ist so mit negativen Klischees behaftet wie die Anhänger ohrenbetäubender Heavy-Metal-Musik.

Die negativen Assoziationen, die dem gesitteten Normalbürger einfallen, wenn er nach dem Musik-Genre Metal und dessen Fans gefragt wird, ließen sich beliebig fortsetzen. Kaum eine andere gesellschaftliche Gruppierung ist so mit Klischees behaftet, wie die Fans lauter Gitarrenmusik, die sich selbst Metalheads nennen.

Und auch noch 30 Jahre nach dem ersten Wacken Open Air schwingt in der Berichterstattung über das größte Metal-Festival der Welt oft immer noch ungläubiges Erstaunen mit, wie friedlich, harmonisch und respektvoll es auf dem „Heiligen Acker“ der kleinen Gemeine Wacken in Schleswig-Holstein zugeht, wenn sich dort jedes Jahr an die hunderttausend Metalheads treffen, um sich und ihre Musik zu feiern.

Laut einer Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA) des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2022 gibt es in der deutschsprachigen Bevölkerung 7,15 Millionen Fans ab 14 Jahren, die sich für Heavy Metal oder Hard Rock begeistern. Andere Schätzungen und Studien gehen sogar von weit über acht Millionen aus. Also rund zehn Prozent der deutschen Bevölkerung.

Was? So viele Verrückte?

Das Gute an Vorurteilen ist, dass sie nur selten stimmen. Das Schlechte daran, dass sie einfach nicht aus der Welt zu schaffen sind. Wie bei dem Stereotyp Heavy Metal. Wer sich vom Gegenteil überzeugen möchte, sollte einmal in der kleinen norddeutschen Gemeinde Wacken gewesen sein, wo sich jedes Jahr zehntausende von Metalheads aus aller Welt treffen, um sich und ihre Musik zu feiern.

Ja. Es ist laut dort.
Ja. Es laufen dort jede Menge finster aussehende Menschen mit martialisch bedruckten T-Shirts herum.
Und Ja. Es wird dort getrunken, soviel die Bierstände hergeben.
Aber: Auf keinem anderen Festival geht es so friedlich, so fröhlich zu wie auf dem W:O:A, dem Wacken Open Air.

Und ungeschriebenes Gesetz in Wacken und auf anderen Metal-Konzerten ist: Wer im Moshpit hinfällt, dem wird wieder aufgeholfen.

Moshpit ist die Bezeichnung für einen vor der Bühne entstehender Kreis, in dem getanzt wird. So wild und ausgelassen, dass mancher auch mal zu Boden geht – und ihm wieder aufgeholfen wird.

Das Bild vom Moshpit hat auch der Verein Metality e.V. verinnerlicht. Sein Motto heißt: „Auch wer im Moshpit des Lebens hinfällt, dem wird aufgeholfen“.

Metality – zusammengesetzt aus den englischen Worten metal und mentality – ist der Zusammenschluss von Menschen, die die Liebe zu lauter Musik verbindet und die die Werte des Metal auch außerhalb von Festivals und Konzerten leben: nämlich Respekt, Toleranz und Teilhabe. Vor drei Jahren gegründet, zählt der gemeinnützige Verein schon mehr als tausend Mitglieder. Vom Busfahrer bis zum Banker, von der Verwaltungsangestellten bis IT-Unternehmerin. Organisiert in mittlerweile über 40 lokalen Unterorganisationen (Chapter). Mit zu den prominentesten Mitgliedern und Unterstützern zählen nicht nur Deutschlands Werbe-Ikone Götz Ulmer und der frühere BILD-Chefredakteur Udo Röbel, sondern auch die Wacken-Gründer Holger Hübner und Thomas Jensen.

Ziel von Metality e.V. ist, nicht nur, das „lauteste Netzwerk der Welt“ aufzubauen, sondern auch tatkräftig für die Schwächeren in unserer Gesellschaft einzutreten: So sammelte der Verein inzwischen schon Geld für „3 x 666 Schlafsäcke für die Outsiders outside“ (Obdachlose), finanziert Kindern und Jugendlichen Instrumente und Musikunterricht oder begleitet Metalfans mit Handicap zu Konzerten.

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Metality durch das Projekt „BlackDog“ bekannt, das versucht, die Volkskrankheit Depression aus seiner Tabuzone zu holen. Schon mehr als 15.000 Menschen in Deutschland haben ein Armbändchen mit einem „Schwarzen Hund“, das der Verein auf Anfrage kostenlos verschickt. Alle, die es tragen, signalisieren damit diskret, dass sie mit dem Thema Depression, in welcher Art auch immer, vertraut sind und dass man mit ihnen darüber sprechen kann. Prominentester Unterstützer der Aktion ist der Kabarettist Torsten Sträter, der selbst unter Depressions-Schüben leidet.

Alle Infos über Metality e.V. gibt‘s im Internet unter www.metality.org.

Susanne Müller