Mode in Mittelstädten

Thomas Weckerlein © WÖHRL

Interview
Mission

Dr. Andreas Martin

Seit mehr als 90 Jahren steht WÖHRL für Modehandel mit regionaler Verankerung. Heute verbindet das Unternehmen die Stärken eines klassischen Modehauses mit der Flexibilität eines modernen Multilabel-Anbieters. Besonders in leistungsstarken Mittelstädten sieht WÖHRL großes Potenzial – als Frequenzbringer und wichtiger Bestandteil lebendiger Innenstädte. Vorstandsvorsitzender Thomas Weckerlein über modernisierte Häuser, neue Partnerkonzepte und ausgewählten Expansionsstandorte.

Bitte erklären Sie, was das Besondere an WÖHRL als Bekleidungshändler ist.

Thomas Weckerlein: WÖHRL vereint die Stärken eines klassischen Modehauses mit der Flexibilität eines modernen Multilabel-Anbieters. Unser Fokus liegt auf hochwertigen Marken, persönlicher Beratung und attraktiven Innenstadtstandorten. Anders als viele Wettbewerber sind wir stark in mittelgroßen Städten vertreten und dort oft einer der wichtigsten Frequenzbringer der Innenstädte. Zudem investieren wir kontinuierlich in die Modernisierung unserer Häuser und entwickeln sie zu Erlebnis- und Serviceorten weiter. 

Wie lange gibt es WÖHRL schon, und wo liegt Ihr Verbreitungsgebiet?

WÖHRL wurde 1933 von Rudolf Wöhrl in Nürnberg gegründet und blickt damit auf mehr als 90 Jahre Unternehmensgeschichte zurück. Der Schwerpunkt unseres Filialnetzes liegt traditionell in Süddeutschland, insbesondere in Bayern. Hinzu kommen ausgewählte Standorte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg. Insgesamt betreiben wir 30 Häuser. 

An welchen Standorten sind Sie besonders erfolgreich?

Unsere Erfahrung zeigt, dass sowohl Großstädte als auch leistungsstarke Mittelstädte erfolgreich sein können. Besonders stark sind wir traditionell in Mittelzentren mit einem guten Einzugsgebiet und hoher regionaler Bindung. Dort ist die Wettbewerbssituation oft überschaubarer als in den Top-Metropolen, während wir gleichzeitig eine starke Marktposition erreichen können. Erfolgreich sind für uns vor allem zentrale Innenstadtlagen mit hoher Frequenz und guter Erreichbarkeit. 

WÖHRL hatte 2016 schon einmal Schwierigkeiten. Wie wurde das Unternehmen im Hinblick auf die Standorte erfolgreich neu ausgerichtet?

Im Zuge des Schutzschirmverfahrens 2016 wurden die Standorte konsequent überprüft. Nicht rentable Häuser wurden geschlossen, während die wirtschaftlich starken Standorte gezielt weiterentwickelt wurden. Nach der Übernahme durch Christian Greiner im Jahr 2017 konzentrierte sich WÖHRL auf ein nachhaltiges Filialnetz, Investitionen in die attraktivsten Häuser sowie die Stärkung der Innenstadtstandorte. Diese Fokussierung trägt dazu bei, das Unternehmen wieder erfolgreich und profitabel aufzustellen. 

Welche Standorte in Shopping Centern haben Sie, und was sind die Vor- und Nachteile solcher Lagen?

Wir sind sowohl in klassischen Innenstadtlagen als auch in ausgewählten Shopping Centern vertreten, beispielsweise in den Regensburg Arcaden, im Westpark Ingolstadt oder im NOVA Shopping Center bei Leipzig. Shopping Center bieten den Vorteil einer planbaren Besucherfrequenz, professionellen Vermarktung und einer guten Branchenmischung. Innenstadtlagen punkten dagegen oft mit höherer emotionaler Bindung, Sichtbarkeit und einer stärkeren Verankerung in der Stadtgesellschaft. Die Herausforderung bei Centern liegt vor allem in höheren Nebenkosten und geringeren Gestaltungsmöglichkeiten. 

Von welchen Einzelhändlern als Nachbarn profitieren Sie besonders? Welches Umfeld ist besonders für Sie geeignet?

Optimal ist für uns ein Umfeld mit starken Frequenzbringern und ergänzenden Sortimenten. Dazu zählen Kaufhäuser, Drogerien, Sport- und Schuhhändler sowie leistungsfähige Lebensmittelmärkte und Gastronomieangebote. Besonders wichtig ist eine ausgewogene Mischung, die unterschiedliche Zielgruppen anspricht und den Innenstadtbesuch attraktiv macht. Mode profitiert von einer hohen Aufenthaltsqualität und einem attraktiven Handelsumfeld insgesamt.

Sie haben Untermieter wie Decathlon in Ihren Häusern untergebracht. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht, und welche Untermieter kommen insgesamt infrage?

Grundsätzlich verfolgen wir das Ziel, unsere Häuser als attraktive Handelsplattformen weiterzuentwickeln. Partnerschaften mit starken Marken wie Decathlon können zusätzliche Frequenz erzeugen und neue Kundengruppen erschließen. Wichtig ist dabei, dass sich die Sortimente sinnvoll ergänzen und ein Mehrwert für die Besucher entsteht. Denkbar sind daher Partner aus den Bereichen Sport, Lifestyle, Beauty, Dienstleistungen oder Gastronomie. Entscheidend ist nicht die Branche allein, sondern die Fähigkeit, zusätzliche Kunden ins Haus zu bringen. 

Wo sehen Sie WÖHRL in zehn Jahren? Wollen Sie expandieren? Wenn ja, wie sieht ein idealer Standort im Hinblick auf Lage und Größe aus?

Unser Ziel ist, auch in zehn Jahren einer der führenden regionalen Modehändler Deutschlands zu sein. Wachstum ist grundsätzlich denkbar, allerdings nicht um jeden Preis. Wir suchen keine möglichst große Zahl an Filialen, sondern wirtschaftlich attraktive Standorte. Ideal sind zentrale Innenstadtlagen oder sehr starke Shopping Center mit einem Einzugsgebiet von mindestens 100.000 bis 200.000 Menschen. Je nach Konzept sind Verkaufsflächen von etwa 2000 bis 3500 Quadratmetern interessant. Gleichzeitig werden Mischkonzepte mit Partnern, Serviceangeboten und Erlebnischarakter künftig weiter an Bedeutung gewinnen.


Das Interview führte
Dr. Andreas Martin
Geschäftsführer
CONCEPTA Projektentwicklung GmbH,
GCSP Competence Board Leasing