Realisierung mit Naturmaterialien

New7 Mannheim
Heute prägt eine vorgehängte Holzfassade die Ästhetik des Gebäudes. Damit wird New7 zu einem architektonischen Highlight in der Mannheimer Innenstadt. © DIRINGER & SCHEIDEL Unternehmensgruppe

Aktuelles
Locations

Susanne Müller

Einst galt das Gebäude als stolzes Symbol des städtischen Handels. Zunächst als Kaufhaus Vetter eröffnet, später an gleicher Stelle – jedoch in einem Neubau – als Horten betrieben, fand sich in Mannheim über die letzten Jahrzehnte hinweg eine Filiale der Galeria Kaufhof. Nachdem im Jahr 2020 die Entscheidung zur Schließung des Kaufhauses fiel, stand die Zukunft des Gebäudes in den Sternen.

Doch DIRINGER & SCHEIDEL (D&S) entwickelte gemeinsam mit den Architekten von blocher partners aus Stuttgart eine Vision für den Erhalt der auch im städtebaulichen Kontext so bedeutenden Immobilie: Mixed-Use lautete die Devise, also die Integration von Handels-, Wohn- und Büroflächen, die D&S im Projekt New7 bis Ende 2025 vornimmt, um der Immobilie damit neues Leben einzuhauchen.

Der mutige Einsatz von Holz als zentralem Baustoff sollte dabei mehr als nur Mittel zum Zweck sein. Schließlich bildet das Naturmaterial eine elegante architektonische Verbindung zwischen dem vorhandenen Beton sowie den großzügigen Grünflächen an den Fassaden, auf dem Dach und im Innenhof.

Herausforderungen gemeistert

Bestehen blieben nach dem Baubeginn im September 2022 die Untergeschosse sowie das erste Obergeschoss des alten Gebäudes – ab dem zweiten Obergeschoss wuchs die ambitionierte Holz-Hybrid-Struktur in die Höhe. Was in der Theorie einfach klingt, hielt in der Praxis einige Herausforderungen bereit: Vor allem die Kombination unterschiedlicher Baustoffe hatte es in sich. Denn es galt zunächst, den Bestand, eine Stahlbetonskelett-Konstruktion mit zwei Untergeschossen, bis einschließlich des ersten Obergeschosses zu erhalten und aufwändig zu ertüchtigen.

Architektonisches Ausrufezeichen

Die Aufstockung erfolgte schließlich in Holz-Hybridbauweise. Als Tragsystem fungieren Holzstützen mit Holzträgern sowie Verbundträgern in Kombination mit Holz-Beton-Verbunddecken. Neben dem natürlichen Baustoff Holz setzte man im Rohbau mehr als 50 Prozent Recycling-Beton ein, was den nachhaltigen Ansatz des Gesamtprojektes unterstreicht. Auch an der vorgehängten Fassade findet sich viel Naturholz – ein in zentraler Innenstadtlage durchaus seltenes Bild, das auch architektonisch ein Ausrufezeichen setzt.

Ausgezeichnete Qualität

Der insgesamt sehr verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen brachte dem Projekt bereits die erste Anerkennung. So erhielt New7 in diesem Jahr von der Stadt Mannheim die Local-Green-Deal-Auszeichnung – eine Ehrung mit durchaus überregionaler Strahlkraft. Denn Mannheim hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 zu einer nachhaltigen, klimaneutralen und integrativen Stadt zu werden. Aus diesem Grund hatte man den Entschluss gefasst, als Pilotstadt auf lokaler Ebene voranzugehen und den Local Green Deal (LGD) auf Grundlage des Europäischen Green Deals und des Pariser Abkommens ins Leben zu rufen. Auf diesem Weg ist die gesamte Stadtgesellschaft gemeinsam mit Bürgerschaft, Politik, Verwaltung und Forschung dazu aufgerufen, eine grüne, saubere und gesunde Stadt zu gestalten. Dies sahen die Juroren mit dem Gesamtkonzept von New7 als gegeben an und zeichneten es gemeinsam mit anderen vorbildlichen Projekten aus. 

Auf der Zielgeraden

Mittlerweile macht das Projekt auch baulich sehr gute Fortschritte und biegt allmählich auf die Zielgerade ein. Während die Fassade hinter den Gerüsten bereits erste Konturen erkennen lässt, schreitet auch der Innenausbau merklich voran. Damit stehen der geplanten Fertigstellung und der Übergabe an einen institutionellen Investor zum Jahresende nichts mehr im Wege. 

Hohe Nutzungsvielfalt

In den Untergeschossen sind die Tiefgarage mit 71 Stellplätzen sowie Technikbereiche verortet, während im Erdgeschoss auf gut 2800 Quadratmetern Handelsflächen vorgesehen sind. Darüber finden sich flexible Büro- und Praxisräume sowie urbaner Wohnraum, der bis hinauf ins sechste Obergeschoss reicht. Die gewerblich genutzten Mietflächen sind bereits überwiegend vergeben. Für die 76 Wohneinheiten mit einer Gesamtmietfläche von über 5600 Quadratmetern hat der Vertrieb gerade erst begonnen. Mit diesem Gesamtkonzept wird New7 ganz sicher nicht nur zur Heimat für die künftigen Bewohner, sondern auch zum Anziehungspunkt für die Menschen in der Mannheimer Innenstadt werden – ganz so, wie es früher immer war. 

Susanne Müller