Rückblick aufs Berlin-Meeting

HIK 2025
Rund 300 Profis der Immobilienbranche des Handels kamen zum HIK 2025. © HIK/Wolter

Insight
Solutions

Susanne Müller & EHI

Geballte Power und Kompetenz prägten erneut den Handelsimmobilienkongress in Berlin. Die vier Top-Verbände der Branche GCSP, HDE, ZIA und EHI Retail Institute hatten einmal mehr zahlreiche gewiefte Referenten eingeladen. Mit rund 300 Immobilienverantwortlichen der Handelsbranche war der Kongress an der Spree gut ausgebucht.

In einer abwechslungsreichen Mischung ordneten hochkarätige Speaker Forschungsergebnisse und Praxisbeispiele vor dem Hintergrund der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ein. „In diesen zwei Tagen wurde abermals sehr deutlich, wie eng das Schicksal von Einzelhandel, Immobilie und Stadt miteinander verbunden ist und wie wichtig der Austausch untereinander ist“, erklärte Marco Atzberger, Mitglied der Geschäftsleitung des EHI Retail Instituts. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), startete mit einer Analyse der Situation von Handel und Immobilie, die zwar angespannt sei, sich aber in der „Rückkehr auf den Wachstumspfad“ befinde und daher Grund zu Optimismus gebe.

Mut zum Optimismus

Auch CDU-Urgestein und Ex-MdB Wolfgang Bosbach ermutigte zu Optimismus. Deutschland stehe wirtschaftlich besser da, als häufig behauptet werde. Doch die neue Regierung müsse viel dafür tun, dass das auch so bleibe. Die Ansprüche und Wünsche der Bevölkerung brachte er pragmatisch auf den Punkt: „Die Menschen wollen keine Diskussionen über Flugtaxis, sie wollen, dass der Bus kommt.“
Bürokratieabbau gefordert 

Christian Schneider von REWE und Thomas Menzel von der Kaufland-Stiftung stellten eine Studie vor, die aufzeigt, welche Hürden beim Thema Bürokratieabbau bestehen. Mit dem Begriff „Der unsichtbare Mitarbeiter“ beschrieben sie beispielsweise die schlechte Erreichbarkeit der Behörden. ZIA-Präsidentin Iris Schöberl wünschte sich in dem Zusammenhang ein vereinfachtes Umbaurecht für Gewerbeimmobilien statt langwieriger Genehmigungsverfahren.

Umfassendes Bild des Handels

David Rea von JLL beschrieb die Planungsunsicherheit der globalen Wirtschaft – durch Inflation, Kriege oder auch die neue US-Regierung – als derzeit größte Herausforderung. Zu den vielen Praxisbeispielen, die ein umfassendes Bild des Handels ergaben, gehört die Vorstellung der Format-Politik von Media-Saturn. Dr. Sascha Mager präsentierte die Core, Lighthouse-, Smart- und Express-Stores des Elek­tronikhändlers, die sowohl an die Standorte wie auch die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kundschaft angepasst sind.

„Einzelne Standorte müssen immer an die Bedürfnisse der Menschen, die dort kaufen, angepasst werden“, erklärt Jenny Stemmler, Lidl Immobilien Dienstleistung. So nutzten in Großstädten 42,1 Prozent das Auto zum Einkauf in einer Lidl-Filiale, in ländlichen Gegenden seien es dagegen 85,5 Prozent, was große Parkplatzflächen unerlässlich mache.

Stefan Kaiser von Decathlon erläuterte den Expansionspfad des Sportartikelmarke in die City, wo sie ganz nah an ihrer Kundschaft heranrücke – und darin ein immenses Potenzial sehe. Mit der großen Hamburg-City-Filiale ist das bereits gut gelungen.

Cathrin Klitsch vom EHI stellt Ergebnisse der EHI-Studien zu Energiemanagement und E-Mobilität vor. Die positive Nachricht: Der Handel konnte seinen Stromverbrauch in den vergangenen zehn Jahren senken – und zwar trotz deutlich energieaufwändigerer Projekte. Dazu tragen bessere Technologien oder auch energiegünstigere Kühl- und Tiefkühlmöbel mit Abdeckung bei. Beim Thema Ladeinfrastruktur ist der Handel Vorreiter, nicht etwa weil er gesetzlich dazu verpflichtet ist, vielmehr weil er seiner Kundschaft einen zusätzlichen Service bieten möchte. Nur zwölf Prozent der Händler bieten bis dato noch keine Ladestationen an. Das liegt häufig an Innenstadtlagen, wo schlicht der Platz für Parkplätze mit Ladesäulen fehlt. Die meisten dieser Stationen sind dazu Schnell-Ladestationen. Damit trägt der Handel maßgeblich zur Ladeinfrastruktur bei.

Ein fester Bestandteil von Douglas Expansionsstrategie ist Nachhaltigkeit, sagte Marcel Uphues. So will das Unternehmen bis Ende 2025 rund 50 Prozent ihrer Kohlenstoff-Emissionen einsparen. Dabei helfen beispielsweise Smart Meter und eine KI gestützte Steuerung der Haustechnik.

Tobias Pickert von ECE Marketplaces verwies auf unternehmenseigene Studien, die aufzeigen, dass Shopping Center durchaus klimaneutral werden können. Der Schlüssel auf dem Weg dahin seien digitale Daten, die Transparenz bei Energieverbrauch und Emissionen schaffen.

Johannes Ferber, INGKA / Ikea Group, möchte den CO2-Fußabdruck des Unternehmens bis 2030 um 85 Prozent reduzieren. Bis 2050 soll es auf null gehen.
Mixed-Use sei einer der wichtigsten Trends im Handel, erklärt Florian Lauerbach, ILG Kapitalverwaltungsgesellschaft, weil es Synergien schaffe, als Investment-Produkt sei diese Asset-Klasse aber noch umstritten.

Peter Cohrs betreibt ein Department Store und ist Entwickler des Shopping Centers Theo in Husum. Eine Shoppingimmobilie funktioniere immer nur im Kontext: „Wenn vor meiner Tür gefegt ist, nützt das nichts, wenn sich vor dem Nachbargeschäft der Müll stapelt“, erklärte er und appellierte damit an gemeinschaftliches Handeln aller Akteure in der Innenstadt.

Mit dem Award Store of the Year hat der HDE in diesem Jahr C&A in der Neuhauser Straße in München, Thalia Mayersche Buchhandlung am Neumarkt in Köln. Küchenstudio proform in Weinheim, Pâtisserie Johanna in Hamburg und Pier 14 Strandterrasse im Seebad Ahlbeck ausgezeichnet.
Die Veranstalter des Handelsimmobilienkongresses zogen nach zwei Tagen ein sehr positives Fazit und wurden mit großem Beifall belohnt. 
Intensive Branchen-Arbeit

„Der diesjährige HIK hat durch die vielfältigen Vorträge und Diskussionen gezeigt, dass intensiv an neuen Perspektiven und Geschäftsmodellen für die Branche gearbeitet wird. Neue und junge Gesichter unter den Teilnehmern bestätigen die Attraktivität dieses einmaligen Konferenzformates ebenso wie das tolle Engagement der Sponsoren und Aussteller. In einem herausfordernden Marktumfeld sind das sind gute Nachrichten“, resümiert GCSP-Vorsitzende Christine Hager.

Save the date!

Im nächsten Jahr trifft sich die Branche am 24. und 25. Mai im Steigenberger Hotel am Kanzleramt in Berlin.

Susanne Müller & EHI