Stadtplatz mit Logen

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BitGalerie Ansicht Karenweg. © FACO

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Susanne Müller

Warum genügt es nicht, einen Stadtplatz autofrei zu machen? Wie können die Fassaden und die Infrastrukturen der Gebäude dazu beitragen, die Innenstädte zu beleben? Das Bitburger Modell soll als Baustein der Innenstadt der Zukunft fungieren. FACO realisiert in der rheinland-pfälzischen Stadt gerade die BitGalerie als Role-Model.

Die Stadtkonzepte und Shopping Center der letzten Jahrzehnte kannten nur drinnen und draußen. Draußen parkte das Auto oder eilten die Käufer, drinnen wurde gekauft, gegessen und getrunken. Seitdem die Kaufhäuser sterben und die Couch-Potatoes Einkaufen und Unterhaltung lieber zuhause konsumieren, funktioniert dieses Modell nicht mehr. Die Bürger und Besucher einer Stadt – denn sie sind mehr als nur Einkäufer – erwarten Anreize, um die Komfortzone zu verlassen. Der städtische Raum muss Erlebnisraum werden und so Shopping und Gastronomie ergänzen.

Frühzeitiger Ansatz

„Ein Glück für die Stadt, dass wir im Jahr 2010 den Ansatz hatten, die Innenstadt neu zu ordnen und ergänzende Nutzungen in der Mitte der Stadt anzusiedeln – heute würden wir diese noch viel notwendigere Aufgabe wahrscheinlich nicht mehr angehen.“ so Niklas Berens von FACO anlässlich einer Stadtratssitzung im Jahr 2023, als das neue Verkehrskonzept mit Baurecht beschlossen wurde. Der Name für das Projekt war damals schnell gefunden, und die hohe Kaufkraft und das Einwohnerwachstum der deutsch-luxemburgischen Metropolregion motivieren auch in der heutigen Zeit noch namhafte Marken, sich in der Stadt neu anzusiedeln.

Verlängerung in die FuZo

Über die mehr als ein Jahrzehnt andauernde Entwicklungsphase entfaltete sich die Konzeption mit den sich abzeichnenden Bedürfnisveränderungen weiter. Die Mall verlängert die Bitburger Fußgängerzone bis an den über die Region hinaus bekannten Markt- und Eventplatz. Zur belebten Fußgängerzone hin liegt die begehrte Handelslage mit starken Marken und feinkörnigen Konzepten. Zum Platz hin befindet sich eine Markthalle mit Marktplatz und unterschiedliche Gastronomien mit großen Sonnenbalkonen – sie laden zum Verweilen ein und ermöglichen Sehen und Gesehen werden.

Markttreiben und Entertainment

Markthalle, Kino, neue ergänzende Handelsmarken verstärken die noch vorhandene qualitätsvolle Handelslandschaft des Mittelzentrums mit hoher Zentralität. Am Samstag tritt der Platz zusätzlich als Wochenmarkt auf: Saisonale, regionale Produkte beleben den Außenraum und erzeugen eine sichtbare Erzählung der Region, während die Markthalle das tägliche Grundrauschen liefert – sichtbar produziert, fair kuratiert, identitätsstiftend für die Kulinarik der Lux-Eifel-Mosel Region. „Als größter Modehändler und Erster Vorsitzender des Gewerbevereins freue ich mich, dass dieses Leuchtturmprojekt jetzt so umgesetzt wird. Unsere sehr erfolgreichen Aktivitäten werden mit neuen Events ergänzt und verstärkt“, sagt Lars Messerich, Vorsitzender des lokalen Gewerbevereins.

Logen als Alleinstellungsmerkmal

Die Logen sind das räumliche Alleinstellungsmerkmal der BitGalerie. Wettergeschützt und integriert, werden sie zu Resonanzpunkten. Dort sitzen Gäste beim Essen oder mit Kaffee, Bier oder Cocktail und beobachten das bunte Treiben auf dem Platz – oder blicken auf die Bühne, und dies auch bei mitteleuropäischem Wetter. Damit sind die Logen Architektur und Betrieb in einem: tagsüber gastronomischer Sitzplatz mit Aussicht; nach der Arbeit Entspannungsraum mit Sundowner, am Abend stiller Resonanzraum fürs Genießen der gastronomischen Angebote und bei Veranstaltungen sofort Teil des ProduktionsSetups. „Wir bauen keine Eventkulisse, wir bauen Alltag mit Bühne. Stadtlogen reduzieren Rüstkosten, Frequenzprofile steigen und lassen die Innenstadt dynamisch pulsieren“, erläutert Frank Pöstges-Pragal von PPD Consulting.

Neue Möglichkeiten

Durch die Stadtlogen entstehen neue Möglichkeiten. Mikro-Events ohne Rüstkosten bieten den vielfältigen Vereinen und Interessensgruppen der Stadtgemeinschaft die nötigte Sichtbarkeit. Gesicherte Ticketverkäufe sind die wirtschaftliche Basis begehrter Open-Air-Veranstaltungen, und so werden die Stadtlogen zum Möglichmacher. „Emotional erlebbare Veranstaltungen verlängern die Verweildauer, erhöhen die Wiederkehrraten. Beide Effekte sind für die Innenstadt relevant spürbar und messbar“, urteilt Nico Schröder von Hystreet.

Veränderte Bedürfnisse

„Heute leben wir im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts – und die Bedürfnisse der Menschen haben sich verändert. Wir wollen Begegnung, aber nicht mehr nur im Vereinssaal. Wir wollen Sinnlichkeit, aber nicht nur beim Sommerurlaub am Mittelmeer. Wir wollen Austausch, aber nicht in digitalen Echokammern allein. Unsere Städte brauchen neue Räume, die diese Sehnsucht aufnehmen – Räume, die gleichzeitig offen und geschützt, privat und öffentlich, ökonomisch und sozial sind. Erlebnis entsteht, wenn der Mensch in eine wechselseitige Beziehung mit dem Raum tritt – er reagiert emotional, sinnlich, sozial, und der Raum antwortet durch Atmosphäre, Gestaltung, Nutzungsmöglichkeiten.“ So umschreibt FACO-Geschäftsführer und -Gründer Stefan Kutscheid das Modell.

Resonanz schaffen

Die BitGalerie soll Stadtbaustein und Betriebssystem zugleich sein, indem sie Resonanz zwischen Mensch und Raum fördert. Handel, Kino, Fitness und Gastronomie schaffen innerstädtisches Nutzungserlebnis. Markthalle und Wochenmarkt verankern Lokalität und Identität. Die Stadtlogen schaffen Teilhabe – und machen den Stadtplatz zur Alltagsbühne und zugleich zur Eventinsel oder zur Sportarena. Aus den vielen sinnlichen und sozialen Genüssen ergeben sich attraktive, diversifizierte Cash Flows, geringere Leerstandsrisiken, robuste Erdgeschosse mit klarer Adresse – und ein Betrieb, der über KPIs wie Verweildauer, Wiederkehrrate, Tageszeitprofile und Eventtage steuerbar wird. Für Städte heißt das: Public Value in Alltag und Anlass – Gesundheit, Gemeinschaft, Identität, mit einem Setup, das skalierbar ist: Wirkungsziele, Logenprinzip, Erdgeschoss-Kuration, Alltagsbühne, Eventinsel, Resonanz-Index, KPI-Set – ein Baukasten, der sich auf andere Plätze und Immobilien übertragen lässt. 

Susanne Müller