Trends im Ladenbau

Claudia Horbert
Claudia Horbert © EHI

Interview
Focus

Susanne Müller

Trotz schwieriger Wirtschaftslage investiert der Retail nach wie vor in Ladenbau und Store-Design. Allerdings haben sich die Prioritäten verschoben. Zur EuroShop 2026 hat das EHI im aktuellen „Laden-Monitor“ die Trends zusammengefasst. Claudia Horbert, Leiterin Forschungsbereich Ladenplanung + Einrichtung beim EHI, hat mit uns über Nachhaltigkeit und Erlebnischarakter geplaudert. 

Frau Horbert, welche großen Strömungen prägen –kurz gefasst – aktuell Retail-Design und Ladenbau?

Claudia Horbert: Den einen allumfassenden Trend gibt’s eigentlich nicht mehr. Ganz klar zeichnet sich aber ab, dass Unternehmen zunehmend darauf achten, Ressourcen zu schonen. Geschuldet ist diese Entwicklung dem massiven Kostendruck – und ebenso dem Zeitgeist.

Wie verändert die Fokussierung auf Nachhaltigkeit als gestalterisches Fundament die frühe Konzeptphase?

Schon in der Planungsphase überlegen sich Unternehmer und Einrichter heutzutage, was später mit den Sachen passieren soll. Und zwar ganz gleich, ob bei Neuanschaffung oder der Überarbeitung im laufenden Bestand. Mobiliar und Gegenstände, die sich weiter verwenden lassen, stehen hoch im Kurs. Bei Fußböden im Einzelhandel beispielsweise ist lange Nutzung ein großes Thema. Im Schnitt wird etwa die Hälfte der Einrichtung bewahrt. Designer und Architekten denken deshalb heute sehr materialbasiert, entwickeln ihre Konzepte kreativ und konstruktiv weiter – oft auch mit neuen Werkstoffen – und setzen Novitäten auf Bestandseinrichtungen auf.

Wo entstehen die größten Zielkonflikte zwischen ökologischer Verantwortung, technischer Innovation und wirtschaftlicher Skalierbarkeit?

Gesellschaftliche Verantwortung trifft hier auf Notwendigkeiten und Kostendruck. Prozesse wie die Reinigung und Umarbeitung von Ladeneinrichtung lassen sich oft nicht am Point of Sale durchführen – solche Posten fließen natürlich in die Vollkostenrechnung ein. Andererseits sind derartige Maßnahmen über Formate in verschiedenen Bereichen skalierbar. Bei Globetrotter beispielsweise gelingt das Upcycling hervorragend. Bei Neueinrichtungen setzen Unternehmen inzwischen eher auf Standards denn Sondermöbel, weil erstere einfach länger einsetzbar sind. Alles in allem muss man Investitionen wirklich wollen.

Wie definieren Sie eine gelungene Customer Journey zwischen „High-Tech meets High-Touch“ im Jahr 2026?

Entscheidend für den Erfolg ist der Mehrwert für die Kunden. Technik um der Technik willen anzuschaffen, ist längst out. Früher wurde oft ein Bildschirm hingestellt, ohne dass entsprechender Content verfügbar war. Sinnvoll ist der Einsatz von Technik immer dann, wenn sie das Kundenerlebnis steigert – durch Übertragung von Modenschauen beispielsweise oder Sportevents. Markenshops von Fashion-Anbietern wie Hilfiger oder Marc O‘Polo, die vor allem von großflächigen Textil- und Warenhäusern als wichtige strategische Partner gesehen werden, nutzen dies noch etwas öfter. Insgesamt führt dies zu einer ausgewogenen Mischung aus Multilabel- und Markenflächen, doch sollte weiter auch darauf geachtet werden, die eigene Händlermarke dadurch nicht allzu sehr zu verwässern.

Wie kann Retail Design lokale Identität authentisch übersetzen?

Beliebt sind Konzepte, die regionale Elemente ins Store-Design einbinden – Sehenswürdigkeiten zum Beispiel durch Bilder an den Wänden oder Ausstellungsstücke. Auch die Historie des Gebäudes bewusst zu inszenieren, kommt gut an. Architektonische Elemente als Story-Telling, das funktioniert sehr gut. Lokale Besonderheiten sollten dabei stets den jeweiligen Kundengruppen angepasst sein, als zusätzlicher Effekt.

Wir lauten Ihre Erkenntnisse aus dem Laden-Monitor, für den das EHI ja rund 50 Brancheninsider befragt hat?

Am Ende kann ich ganz klar eine Lanze für den stationären Handel brechen: Trotz des hohen Kostendrucks und starken Wettbewerbs auf einem hart umkämpften Markt, auch online, trotz des Umstandes, dass Verbraucher ihr Geld oft eher für Events und Erlebnis ausgeben und dieses im Handel fehlt, erfindet sich der Retail immer wieder neu, erzeugt ständig wechselnde, bemerkenswerte Bilder. Und zwar auf höchst kreative Weise.


Das Interview führte
Susanne Müller