Wie man sein Vermögen vor der Inflation schützt

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Aktien von Luxusunternehmen können Schutz vor Inflation bieten © Friends Stock – stock.adobe.com

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Richard Haimann

Anleger sind der Geldentwertung nicht wehrlos ausgeliefert. Mit indexierten Anleihen, Dividenden- und speziellen Immobilienaktien lassen sich Renditen oberhalb der Teuerungsrate erzielen. Gold hingegen taugt nicht als Sicherungsinstrument

In den vergangenen Dekaden fristeten sie an den Kapitalmärkten ein Nischendasein, jetzt sind sie wieder bei Investoren gefragt: inflationsindexierte Anleihen – Schuldverschreibungen von Staaten und Unternehmen, deren Zins im Einklang mit der Teuerungsrate steigt. »Die Nachfrage nach diesen Anlageprodukten ist mit dem Zuwachs der Inflationsrate massiv gestiegen«, sagt Ben de Forton, Leiter Anleihenmärkte bei der französischen Großbank BNP Paribas. »Inflationsindexierte Anleihen sind ebenso heiß begehrt wie grüne Bonds.«

Als die französische Regierung im Februar dieses Jahres inflationsindexierte Staatsanleihen im Gesamtwert von drei Milliarden Euro emittierte, hätten 200 Investoren insgesamt 23,5 Milliarden Euro aufgeboten, um an die Bonds zu gelangen, sagt Cyril Rousseau, Direktor des französischen Schatzamtes Agence France Trésor.

Berlin ist zurückhaltend bei der Auflage indexierter Bonds

In Deutschland konnte die Bundesregierung im vergangenen Jahr inflationsindexierte Staatsanleihen im Gesamtvolumen von 7,7 Milliarden Euro emittieren. Für dieses Jahr erwartet die für die Bundeswertpapierverwaltung zuständige Deutsche Finanzagentur ein Volumen von bis zu acht Milliarden Euro. Das entspricht rund drei Prozent der in diesem Jahr voraussichtlich neu emittierten Staatsanleihen. Deutlich mehr inflationsbesicherte Papiere dürften Abnehmer finden. Doch angesichts der stark gestiegenen Teuerungsrate hält sich Berlin bei der Auflage indexierter Bonds zurück.

»Zwar tragen inflationsindexierte Anleihen gegenüber festverzinslichen Anleihen anfänglich einen niedrigeren Zinskupon«, sagt Markus Merkel, Leiter Mandatsbetreuung bei der  Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung in München. Bei steigender Teuerung zieht der jährliche Zinssatz bei den Index-Bonds jedoch an und steigt deutlich über den Zinskupon festverzinslicher Staatsanleihen. »Daraus ergibt sich ein Inflationsschutz bei den Index-Anleihen«, sagt Merkel.

Privatanleger können zwar nicht direkt, sondern nur über Fonds in Staatsanleihen investieren, da diese in millionenschweren Tranchen emittiert werden. Inflationsindexierte Anleihen zeigen aber, dass Anlageinstrumente existieren, mit denen privates Vermögen gegen einen Anstieg der Teuerung geschützt werden kann. »Mit einer entsprechenden Anlagestrategie können Sparer auch bei voranschreitender Inflation ihr Kapital erhalten und sogar mehren«, sagt Dyrk Vieten, Geschäftsführer der ficon Vermögensmanagement in Düsseldorf.

Dividendenaktien – auf lange Sicht die rentabelste Anklageklasse

Während inflationsindexierte Anleihen primär dem Kapitalerhalt dienen, da ihr Zinskupon im Einklang mit der Teuerung steigt, ließen sich mit Dividendenaktien langfristig Renditen oberhalb der Inflationsrate erzielen. »Dividendenaktien bieten damit eine sehr gute Ergänzung zu Anleihen-Investments«, sagt Vieten.

Der Begriff Dividendenaktien steht in der Finanzbranche für Papiere von Unternehmen, die über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg kontinuierlich Umsatz und Gewinn gesteigert haben und ihre Aktionäre über fortwährend wachsende Dividendenzahlungen am Erfolg teilhaben lassen. Dazu zählen vor allem Konzerne, die Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs produzieren, aber auch einige Pharma- und Technologiegiganten. Beispiele dafür sind Nahrungsmittelproduzenten wie Danone und Nestlé, Gebrauchsgütererzeuger wie Colgate, Procter & Gamble und Unilever, aber auch der Softwareriese Microsoft. Nicht in die Kategorie fällt beispielsweise die Deutsche Telekom, da diese ihre Dividendenzahlungen in der Vergangenheit wiederholt vorübergehend gekürzt hat.

Solche Aktien sollten bei Privatanlegern »den größten Teil des Investmentportfolios ausmachen, da sie auf lange Sicht die rentabelste Anlageklasse sind«, sagt Mirko Kohlbrecher, Stratege bei der Vermögensverwaltung Spiekermann & Co in Osnabrück. Denn Unternehmen, die Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs oder unumgängliche Software produzieren, können die Preise ihrer Waren im Einklang mit der Teuerung anheben. »Bei der Auswahl von Aktien geht es darum, Unternehmen auszuwählen, die steigende Preise auf ihre Kunden umwälzen können, sowie Firmen, die von höherer Inflation wenig betroffen sind«, sagt Kohlbrecher.

»Statt auf einzelne Titel zu setzen, sollten Anleger in sogenannte Dividendenfonds investieren«, sagt Vieten. Deren Manager verteilen das Kapital ihrer Kunden breit über Aktien besonders aussichtsreicher Unternehmen. Nach dem Ende des Ukraine-Kriegs und der Corona-Pandemie seien die »Wachstumsperspektiven gut ausgewählter Dividendentitel durch die Erholung der globalen Konjunktur überproportional stark«, sagt Vieten.

Luxusaktien – Schutz durch kaufkräftige Kunden

»Aktien von Luxusunternehmen können ebenfalls Schutz vor Inflation bieten«, sagt Martin Krause, Direktor bei der Vermögensverwaltung Lakefield Partners in Zürich. Produzenten von Luxusartikeln wie Hermès, L'Oréal, LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton, Pandora, Pernot Ricard, Prada und Richemont »profitieren davon, dass sie eine sehr große Preissetzungsmacht haben«. Vermögende seien auch in Phasen anziehender Teuerungsraten nicht gezwungen, ihren Konsum zu reduzieren. »Diese Kunden sind bereit, einen höheren Preis zu zahlen, solange die Marke weiterhin die Werte bietet, die sie sich wünschen, etwa Exklusivität, Überlegenheit, Status und Tradition«, sagt Krause. »Die emotionale Verbindung trägt dazu bei, den Wert und die Attraktivität langfristig im Bewusstsein der Luxuskonsumenten zu halten.«

Gold – wenn der Realzins unter Null Prozent fällt

Gold gilt zwar landläufig als die Anlageklasse, die den höchsten Schutz vor der Geldentwertung bietet. Doch Studien zeigen: Langfristig haben Inflationsraten und Goldpreis nicht unmittelbar miteinander zu tun. »Der Preis von Gold hängt weniger von der Inflation ab als vom Realzins«, sagt Stephan Albrech, Vorstand der Vermögensverwaltung Albrech & Cie in Köln. Der Realzins ist die Differenz zwischen der Inflationsrate und dem Nominalzins zehnjähriger Staatsanleihen. Übersteigt die Inflationsrate den Nominalzins ist der Realzins negativ; liegt die Teuerung unterhalb des Nominalzinses ist der Realzins positiv. »Daten der US-Notenbank zeigen, dass für Gold immer dann die Stunde schlägt, wenn der Realzins unter die Marke von Null Prozent sinkt«, sagt Albrech.

Entscheidend ist dabei aber nicht der Nominalzins in Deutschland, sondern in den USA, da Gold an den internationalen Kapitalmärkten in Dollar gehandelt wird. In Deutschland lag der Realzins Ende April bei minus 6,48 Prozent, da die Inflationsrate im März bei 7,3 Prozent notierte, während die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen bei nur 0,82 Prozent lag.

In den USA war die Inflationsrate zwar im März auf 8,5 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hatten aber die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen kräftig auf 2,93 Prozent angezogen, nachdem die US-Notenbank den Leitzins bereits einmal erhöht und weitere Anhebungen in den kommenden Monaten in Aussicht gestellt hatte. Der Realzins lag deshalb in den USA mit minus 5,57 Prozent nicht nur deutlich tiefer als in der Eurozone und damit in Deutschland. Er war in den vorangegangenen vier Wochen in den Vereinigten Staaten aufgrund der steigenden Renditen zehnjähriger Staatsanleihen sogar um 42 Basispunkte von zuvor minus 5,97 Prozent zurückgegangen. Das brachte den Goldpreis unter Druck. Vom 9. März bis zum 26. April dieses Jahres fiel die Notierung des Edelmetalls in US-Dollar um sieben Prozent.

Das Fazit: Gold verteuert sich dann, wenn der Realzins aufgrund steigender Inflationsraten bei noch nicht anziehenden Renditen der US-Staatsanleihen in negatives Terrain fällt. Hat sich die Teuerung so stark manifestiert, dass die Renditen der US-Bonds anziehen, wirkt das Edelmetall nicht mehr zur Absicherung gegen die Geldentwertung. »Der Goldpreis ist vor allem ein Frühindikator für kommende Inflationsraten«, sagt Matthias Lebtig, geschäftsführender Gesellschafter bei der Vermögensverwaltung FP Asset Management in Freiburg.

Hinzu kommt noch ein weiterer Aspekt, der gegen das Edelmetall als Absicherungsinstrument spricht: Wiederholt in der jüngeren Geschichte ist während Phasen hoher Inflation oder bei länger anhaltender Rezession der Goldbesitz von Staaten verboten worden. Das ist in Deutschland von 1923, dem Jahr der Hyperinflation, bis 1955 der Fall gewesen, in Frankreich während der Wirtschaftskrise in den Jahren 1936 und 1937 und in Großbritannien während der Pfundschwäche von 1966 bis 1971. Über gar mehr als vier Jahrzehnte hinweg verbietet die US-Regierung den privaten Goldbesitz.

Zur Bekämpfung der Großen Depression unterzeichnet Präsident Franklin Delano Roosevelt am 5. April 1933 die Executive Order 6102. Die Anordnung untersagt fortan »das Horten von Goldmünzen, Goldbarren und Goldzertifikaten durch Personen, Gesellschaften, Vereinigungen und Firmen innerhalb der Vereinigten Staaten«. Binnen 14 Tagen müssen Eigentümer ihr Edelmetall bei staatlichen Annahmestellen zum festgesetzten Preis von 20,67 Dollar je Feinunze abgeben. Dies entspricht weniger als einem Zehntel des damaligen Marktwertes. Am Tag vor der Unterzeichnung der Executive Order 6102 kostet eine Feinunze noch mehr als 250 US-Dollar.

Goldbesitzer, die die Anordnung missachten, verlieren ihr gesamtes Edelmetall und müssen eine Strafe von 10.000 US-Dollar zahlen – bereinigt um die seitherige Entwicklung von Inflation und Kaufkraft würde dies heute einem Betrag von rund 200.000 US-Dollar entsprechen. Am 15. Tag nachdem die Executive Order in Kraft getreten ist, durchsuchen Polizeibeamte landesweit Tresore und Schließfächer von Banken und konfiszieren das dabei gefundene Edelmetall und verhängen die Bußgelder gegen die Eigentümer des Goldes.

Erst am 31. Dezember 1974 hebt Präsident Gerald Ford mit der Executive Order 11825 das Goldverbot wieder auf.

Immobilien – nur bedingter Inflationsschutz

Immobilien gelten gemeinhin als inflationsgeschützte Investments. Doch dies stimmt nur bedingt. In den vergangenen Jahren haben die niedrigen Zinsen immer mehr Privatanleger dazu verlockt, sich ein Eigenheim, eine Eigentumswohnung oder auch ein Mehrfamilienhaus als Anlageobjekte zuzulegen. »Bundesweit haben sich Eigenheime dadurch in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um 65 Prozent verteuert«, sagt Samir Zakaria, Standortleiter Frankfurt beim Vermögensverwalter Hansen & Heinrich.

Mit der Inflation steigen nun aber die Zinsen für Hypothekendarlehen. »Allein im März verteuerten sich zehnjährige Darlehen um rund 0,5 Prozentpunkte«, sagt Mirjam Mohr, Vorständin Privatkundengeschäft beim Baufinanzierungsvermittler Interhyp. »Seit Jahresbeginn haben sich die Konditionen von einem Prozent auf mehr als zwei Prozent sogar mehr als verdoppelt.« Das treibt nun die Finanzierungskosten für Immobilienkäufer deutlich in die Höhe. »Schon wenige Prozentpunkte können bei den aktuellen Immobilienpreisen schnell Tausende Euro ausmachen«, sagt Zakaria.

Damit schrumpft die Zahl potenzieller Käufer, die sich ein Backstein-Investment noch leisten können. »Durch die höheren Finanzierungskosten werden die Immobilienpreise höchstwahrscheinlich fallen«, sagt Uwe Eilers, Vorstand der FV Frankfurter Vermögen in Bad Homburg. Das dürfte auch für Mehrfamilienhäuser gelten, weil deren Eigentümer aufgrund des Mietrechts die Miete nicht parallel zum Anstieg der Inflationsrate oder der Hypothekenzinsen erhöhen können.

Stattdessen dürften auch auf Besitzer von Mehrfamilienhäusern in den kommenden Jahren zusätzliche Kosten zukommen, die die Marktwerte dieser Renditeobjekte nochmals unter Druck setzen. »Um dem Klimawandel zu begegnen, wird es sicher für Bestandsimmobilien in Zukunft schmerzhafte Auflagen geben, da der Bestand einer der größten CO2-Verursacher in Deutschland ist«, sagt Eilers. Besitzer von Bestandsimmobilien dürften künftig zur energetischen Sanierung verpflichtet werden. »Das geht trotz Förderung ins Geld und kann die Preise entsprechend sinken lassen«, sagt Eilers.

Anders ist die Situation bei Bürotürmen, Daten- und Logistikzentren, bei denen grundsätzlich Indexmietverträge abgeschlossen werden. Damit steigen die Mieteinnahmen der Eigentümer im Einklang mit der Inflationsrate. Um in den Genuss dieses Inflationsschutzes zu kommen, können Anleger in Aktien von Immobilienunternehmen investieren, die Büro- und Logistikobjekte besitzen. »Diese Aktien haben in den vergangenen 50 Jahren als einzige Anlageklasse meist eine Rendite oberhalb der Inflationsrate erzielt«, sagt Vermögensverwalter Albrech. Zu diesen Unternehmen zählen unter anderem der Logistikimmobilienspezialist Prologis, die Datencenter-Betreiber Digital Realty und Equinix REIT, der deutsche Bürobestandshalter Alstria Office und große US-Immobiliengesellschaften, die sich auf Bürogebäude fokussiert haben wie Alexandra Real Estate, Boston Properties und Cousins Properties.

Diese Aktien würden noch einen weiteren Vorteil bieten, erklärt Albrech: »Anleger müssen keine Immobilie erwerben und sich so ein Klumpenrisiko ins Depot legen, sondern können einfach einen Teil ihres Kapitals in diese Unternehmen investieren.«


Ein Beitrag von
Richard Haimann,
freier Wirtschaftsjournalist