Willkommen in Österreich

Interview
Spirit
Susanne Müller
Der Spirit der Gastfreundschaft in Handelsimmobilien – dafür ist WIEN MITTE The Mall ein gutes Beispiel. Im Interview geben Sorin Scurtu, Executive Director Leasing bei CC Real, und Center Manager Florian Richter Einblicke.
Welche Elemente tragen für Sie dazu bei, dass sich Besucherinnen und Besucher in einem Ihrer Center – zum Beispiel WIEN MITTE The Mall – willkommen fühlen, noch bevor sie den ersten Laden betreten?
Sorin Scurtu: Gastfreundschaft verstehen wir als ganzheitlichen Ansatz. Sie beginnt schon lange, bevor jemand den ersten Shop betritt, und umfasst im Wesentlichen drei Elemente: Funktionalität, Sauberkeit und Atmosphäre. Unter Funktionalität verstehen wir gut organisierte und komfortable Parkgaragen sowie eine klare Orientierung im Center durch ein übersichtliches Wegleitsystem und sichtbare Achsen beziehungsweise sinnvoll platzierte Aufstiegshilfen. Unsere Besucher und Kunden sollen intuitiv ihren Weg ins Center finden.
Sanftes Ankommen
Sauberkeit und gepflegte Details signalisieren Wertschätzung und stärken den ersten Eindruck. Die Atmosphäre entsteht unserer Meinung nach durch großzügige, helle Eingänge, ruhige Materialien und Farben sowie eine freundliche Grundstimmung. Personalpräsenz und Services unterstützen dieses Gefühl zusätzlich. Unser Ziel ist ein sanftes Ankommen: ein Umfeld, das Orientierung bietet, Reize strukturiert und vom ersten Schritt an einen wertschätzenden Empfang vermittelt.
Welche Rolle spielen dabei architektonische Details, Licht, Akustik oder Bewegungsflüsse im Raum, um eine Atmosphäre zu schaffen, die Menschen gerne verweilen lässt?
Florian Richter: Architektonische Details, Licht, Akustik und Bewegungsflüsse wirken für uns wie „unsichtbare Gastgeber“. Sie prägen das Raumgefühl und schaffen eine Atmosphäre, in der sich der Besucher instinktiv wohlfühlt. Die Architektur definiert, ob ein Raum Weite vermittelt oder Geborgenheit erzeugt. Licht setzt Akzente, schafft Orientierung und unterstützt eine freundliche Grundstimmung. In WIEN MITTE The Mall zum Beispiel durch warme Beleuchtung, klare Sichtachsen und wie jetzt in der Vorweihnachtszeit mit stimmiger und geschmackvoller Weihnachtsdekoration. Eine angenehme Akustik ist ebenfalls ein relevanter Punkt für den Aufenthalt. Bewegungsflüsse sorgen für einen natürlichen Rhythmus, der Wege intuitiv macht. Und nicht zu vergessen Das Raumklima, von der passenden Temperatur im Innenbereich bis zur guten Durchlüftung der Parkgaragen, trägt ebenso zum Komfort bei. Zusammen mit klar geclusterten Shop-Partnern entsteht ein Umfeld, das selbst bei hoher Taktung zum Verweilen einlädt.
Wie viel Psychologie, wie viel Intuition und wie viel gezielte Planung fließen in Ihre Arbeit ein, um Besucherströme zu lenken und gleichzeitig individuelle Aufenthaltsqualität zu schaffen?
Sorin Scurtu: Psychologie, Intuition und Planung prägen unsere Arbeit. Die Psychologie liefert die empirische Grundlage: Beobachtungen und Experimente zeigen, wie Menschen Räume wahrnehmen und worauf sie instinktiv reagieren. Die Intuition entsteht aus Erfahrung. Sie beruht auf erkannten Mustern, hilft uns, Trends einzuordnen und Bedürfnisse unterschiedlicher Besuchergruppen zu verstehen. Durch diese Erfahrung entstehen Entscheidungen, die sich im Alltag bewähren und ein zeitgemäßes Zusammenspiel aus Dynamik und Ruhe ermöglichen.
Synergien schaffen
Die gezielte Planung wiederum setzt dieses Wissen in funktionierende Wege, Zonen und Nutzungskonzepte um. Sie schafft Synergien im Branchen- und Mietermix und bildet die Grundlage für Bewegungsflüsse, die Orientierung geben und Aufenthaltsqualität stärken. Wir analysieren Besucherströme, Aufenthaltszeiten und Bewegungsmuster, verbinden diese Daten mit unserer langjährigen Erfahrung im Dialog mit Besuchern und Mietern. Gute Aufenthaltsqualität entsteht aus diesem Dreiklang.
Welche Emotion soll WIEN MITTE The Mall idealerweise hinterlassen – und wie gelingt es Ihnen, diese emotionale Signatur schon in der Konzeptphase zu verankern?
Florian Richter: WIEN MITTE The Mall soll ein Gefühl von Urbanität, Leichtigkeit und Verlässlichkeit vermitteln. Ein Ort, an dem Menschen hin pendeln, um hier in der Umgebung zu arbeiten, einkaufen, essen und zugleich bewusst durchatmen können. Dieses Gefühl verankerten wir bereits in der Konzeptphase.
Die Materialwahl spielt eine zentrale Rolle: warm, hochwertig und modern. Wie schon erwähnt, schaffen Lichtkonzepte und Dekorationen eine ruhige Hintergrundstimmung, saisonale Akzente inklusive. Aufenthaltsbereiche und Servicepunkte unterstützen das Erlebnis, während die Auswahl und Schulung des Personals ebenso wichtig sind. Auch die Positionierung der Shop-Partner und der Branchenmix werden gezielt gestaltet, um Dynamik und Ruhe auszubalancieren. So entsteht eine emotionale Signatur, die Besucher spüren und mitnehmen, selbst wenn sie nur „schnell etwas erledigen“ wollen.
Wie gelingt es Ihnen und Ihren Partnern, Wirtschaftlichkeit mit menschlicher Wärme und Serviceorientierung zu verbinden?
Sorin Scurtu: Wirtschaftlichkeit und menschliche Wärme gehören für uns zusammen. Unser Ansatz: Wirtschaftlicher Erfolg entsteht dort, wo Menschen sich wohlfühlen – dieser Zusammenhang prägt unsere täglichen Entscheidungen.
Persönliche Begegnungen
Florian Richter: Für unsere Kunden und Partner gestalten wir Prozesse, die beide Ziele gleichzeitig stärken. Dazu gehören digital unterstützte Abläufe, die Teams entlasten und mehr Raum für persönliche Begegnungen schaffen. Ebenso wichtig sind Servicepunkte und Orientierungssysteme, die Bedürfnisse vorausahnen und Besuchern Sicherheit geben. Kurze Wege für Mieter und Gäste fördern eine angenehme Aufenthaltsqualität und effiziente Abläufe. Ergänzt wird dies durch Schulungen für Sicherheit und Service, die kommunikative Stärke und situatives Miteinander in den Mittelpunkt stellen. So entsteht ein Umfeld, das ökonomisch überzeugt und menschlich anzieht.
Welche vermeintlich kleinen Fehler beeinträchtigen aus Ihrer Sicht am stärksten die Aufenthaltsqualität – und welche Investitionen zahlen sich emotional und wirtschaftlich besonders aus?
Florian Richter: Aufenthaltsqualität entsteht oft an Stellen, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken. Faktoren wie Temperatur, Lichtstimmung, Akustik, Sauberkeit der Toiletten, Bewegungsfluss, Sitzgelegenheiten, Orientierung und die Atmosphäre in Parkgaragen prägen das Gefühl beim Betreten eines Centers. Schon kleine Unstimmigkeiten in diesen Bereichen können das Gesamtbild trüben. Auf der anderen Seite entfalten ausgewählte Investitionen eine besonders starke Wirkung. Professionell geplante Beleuchtung schafft Sicherheit und Wohlbefinden, gute Akustik steigert Konzentration und Ruhe. Hochwertige Materialien in stark frequentierten Bereichen vermitteln Wertigkeit. Möblierung, die zum Verweilen einlädt, sowie ein überzeugendes Klimakonzept fördern Entspannung. Und ausreichend sichtbares, ansprechbares Personal stärkt das Gefühl von Betreuung und Präsenz. Diese Maßnahmen steigern die Aufenthaltsqualität und führen erfahrungsgemäß zu längerer Verweildauer und damit zu wirtschaftlichem Erfolg.
Wie gelingt es, den „Geist der Gastfreundschaft“ in Handelsimmobilien lebendig zu halten, wenn viele Faktoren gegen emotionale Großzügigkeit sprechen?
Sorin Scurtu: Wir verstehen Gastfreundschaft als Haltung und gleichzeitig als Selbstverständlichkeit. Diese darf zu keinem Zeitpunkt ein Luxus sein. Für uns ist jeder Mitarbeiter Gastgeber – von Servicekräften über Reinigung bis zu Sicherheitsdiensten. Entscheidend sind drei Prinzipien: Vereinfachen, damit Teams mehr Zeit für Menschen statt für Abläufe haben; Fokussieren, mit klaren Services, die spürbar Wirkung zeigen; und Kooperieren, indem wir mit Mietern und Partnern gemeinsame Qualitätsstandards leben. So entsteht eine konsistente Kultur, in der jeder Besuch angenehm ist. Teure Maßnahmen sind nicht nötig. Entscheidend sind Engagement, Aufmerksamkeit und die Balance zwischen Aufwand und Qualität. Gastfreundschaft zeigt sich in der Summe kleiner, konsequent gelebter Gesten und wirkt wie ein Echo: Was man selbst gibt, kommt zurück.
Emotionale Prägung
Was war für Sie in diesem Jahr die wichtigste Erkenntnis im Hinblick auf Atmosphäre, Aufenthaltsqualität oder das Zusammenspiel von Mensch und Raum?
Florian Richter: Die wichtigste Erkenntnis in diesem Jahr: Menschen reagieren heute noch sensibler auf die emotionale Prägung eines Ortes. Entscheidend ist nicht allein der Mieter oder der Branchenmix, die Fläche oder Events, sondern das Gefühl: Fühle ich mich hier gut aufgehoben? Die Verbindung zu einem Standort oder Produkt wird immer wichtiger für den nachhaltigen Erfolg eines Shopping-Centers.
Sorin Scurtu: Atmosphäre erzeugt Emotionen – und diese haben sich zur eigentlichen Währung für ein Shopping Center entwickelt. Gerade in einem komplexen und schnellen Alltag gewinnen Shoppingräume, die Ruhe, Orientierung und Wertschätzung vermitteln, enorm an Bedeutung. Sie sind ein kraftvoller Differenzierungsfaktor gegenüber dem Online-Handel und bestimmen, ob Besucher länger bleiben, wiederkommen und das Haus als positiven Anker wahrnehmen.
Susanne Müller